Motorradreise von Pörtschach nach Island
Juli 2020
Vor der Reise
Vier Wochen mit dem Motorrad unterwegs sein erfordert gute Vorbereitung. Wir wollen mit der Fähre von Hirtshals in Dänemark nach Island und zurück kommen. Von Pörtschach nach Hirtshals sind es etwa 1800 km, wenn man die Autobahnen meiden und besonders schöne Strecken fahren will. Insgesamt werden es also etwa 6300 km.
Christine wird nach Aalborg fliegen, wo ich sie dann vom Flughafen abholen werde. Als Reisegepäck hatte sie nur den Tankrucksack eingeplant. Zusätzlich war ein Seitenkoffer für sie reserviert.
Das Motorrad bekommt vor der Abfahrt neue Reifen, neue Bremsbacken und unterwegs in Passau auch eine neue Batterie. Auch an uns selbst haben wir ein Service machen lassen, von Zahnhygiene und Kontrolle, Fußpflege und Massagen bis zu einer vorbeugenden Untersuchung.
Mein Motorrad ist eine BMW 1200GS Baujahr 2015, für eine solche Reise das perfekte Gerät. Für das Gepäck haben wir die beiden Seitenkoffer, den Top-Koffer und den Tankrucksack. Daher muss jedes eingepackte Teil genau überlegt werden.
Da wir nicht nur mit dem Motorrad unterwegs sein wollten, sondern auch Wanderungen beabsichtigen, ist neben dem regendichten Motorradanzug mit den Schutzeinlagen an Gelenken und Rücken auch eine allwettergeeignetete Wanderausrüstung gefragt. Mit der Motorrad Jacke und Hosen mit den steifen Einlagen wollen wir uns das Wandern nicht antun. Dafür haben wir uns etwas leichtere Goretex-Bergschuhe zugelegt, die auch für das Motorrad geeignet sein sollten. Zusätzlich packen wir uns jeweils eine leichte Goretex Jacke und eine Bergwanderhose ein.
Wir wollen uns also unterwegs vor den Wanderungen umziehen. Aber wohin einstweilen mit dem Motorradzeug? Dafür haben wir uns einen großen dünnhäutigen aber wasserundurchlässigen Sack zugelegt, in den wir alle Sachen verstauen können. Während der Wanderung wollten wir den Sack einfach über das Motorrad legen und festmachen, damit ihn der Wind nicht verwehen kann.
Für 12 Tage haben wir Wäsche eingepackt, und wollten diese unterwegs ein oder zweimal waschen. Für die Abende hatten wir natürlich auch leichte Schuhe und Kleidung mitgenommen.
Ladegeräte für Mobiltelefon, iPad und Zahnbürste ging auch noch rein, und natürlich Bordwerkzeug.
Mit den e-Books haben wir eine große Bibliothek dabei, und mit dem iPad auch die abonnierten Tageszeitungen von zu Hause.
Für spontane Fotos reicht das iPhone, für anspruchsvolles habe ich auch eine Lumix TZ101 dabei, die trotz Kompaktheit viel Profifunktionen kann und hohe Bildqualität ermöglicht.
Eigentlich schon erstaunlich was man so alles dabei hat, obwohl der Platz für zwei Personen schon sehr knapp ist.
Im Juni wurden immer mehr Einschränkungen wegen der Coronavirus Pandemie aufgehoben, weil man immer die Ansteckungsgefahr immer besser einschätzen konnte. Bis Mitte Juni war es aber noch unklar, ob wir in Dänemark und Island einreisen werden dürfen. Island hat dann harte aber eindeutige Regeln bekannt gemacht, und zwar mit dem PCR-Test bei der Einreise, und der App zum Tracking der Route und der Kontakte. Dänemark wollte bei Einreise aus Ländern wie Österreich eine Mindestaufenthaltsdauer von 6 Tagen, was wir nicht wirklich machen konnten, weil wir ja in Hirtshals auf die Fähre wollten. Letzten Endes haben aber alle Einreisen gut geklappt. Deutschland war für Österreicher ohnehin ab Mitte Juni offen.
Hinweis zu den Eindrücken
Die im Bericht wiedergegebenen Eindrücke sind sehr subjektiv und dürfen nicht als objektiven Bericht verstanden werden. Es sind die Eindrücke und Wahrnehmungen durch meinen subjektiven persönlichen Filter. Sollten meine Interpretationen objektiv falsch sein, so möge man mir diese verzeihen. Das selbe gilt auch für meinen Humor, der manchmal nicht offensichtlich erkennbar ist.
1. Tag, Donnerstag 2.7. 2020
Von Pörtschach nach Zwiesel
400 km, schönes Wetter, 15 – 26 C, ein kurzes aber starkes Gewitter am späteren Nachmittag
Um 8 Uhr früh ging’s von Pörtschach los, bei schönem Wetter. Zum Abschied gab es kein Platzkonzert und kein Spalier, auch die Frau Bürgermeister war nicht da. Ade Wörthersee für 4 Wochen. Über Feldkirchen, Flattnitz Pass nach Murau für die erste längere Pause in Murau am Stadtplatz im Zentrum, wo ein Flohmarkt im Gange war.
Dann weiter auf den Sölkpass. Dort traf ich ein Schweizer Paar, das mit Motorrädern zum Österreichring unterwegs war. Die waren schon sehr erstaunt, als ich ihnen erzählte dass beim Formel 1 Rennen keine Zuschauer zugelassen sein würden, die lange Anreise war also umsonst gewesen.
Der Sölkpass ist auf beiden Seiten wunderschön, mehrere Almen sind bewirtschaftet. Es gibt auch Ausgrabungen auf der Passhöhe, mit Waffen aus der Jungsteinzeit zur Zeit des Ötzi. Auch Keltische Münzen aus Gallien und römische Domitian Münzen wurden gefunden. Der Pass hatte also schon früh eine Bedeutung für die Alpenüberquerung.
Danach ging die Reise weiter über Bad Aussee und Pötschenpass nach Bad Ischl. Da musste ich unbedingt beim Zauner einkehren, da gab es zum Mittagessen die legendären Marillenknödel.
Von dort ging’s am Westufer des Traunsees nach Gmunden. Wir bilden uns ja weiß Gott was auf den schönen Wörhersee ein, aber ich muß zugeben dass der Traunsee die noch viel beeindruckendere Landschaft hat. Die steilen Felswände müssen für Segler ein besonderes Erlebnis sein, ich vermute aber dass die Winde entsprechend schwierig einzuschätzen sind, das ist ja am Wörthersee ganz anders. Allerdings ist der Traunsee sehr kalt, das Wasser wird ja durch die Traun alle paar Tage neu ersetzt, was beim Wörthersee mit den kleinen Zuflüssen mehrere Jahre braucht.
Nach einem kurzen Kaffee in der Gmundner Stadtbucht ging’s über kleine Landstraßen nach Passau. Vor Passau hatten sich bereits bedrohliche Gewitterwolken mit Blitzen aufgetürmt, daher war eine Rast in Passau nötig. Wie die ersten Tropfen fielen, war da in der Einfahrtsstraße erfreulicherweise eine BMW Motorrad Werkstatte, bei der ich Zuflucht fand. Ich hatte Zweifel mit der Starterbatterie, und lies mir dort gleich eine neue einsetzen, und habe mir zusätzlich einen Nierenschutz zugelegt, weil mir das vor allem auf den Passhöhen schon unangenehm gefehlt hatte, trotz der Sommertemperaturen.
Nach dem Gewitter ging’s dann wieder bei Sonnenschein in den bayerischen Wald nach Zwiesel, wo ich beim Posthalterhotel Unterkunft fand.
Zwiesel hatte schon im Mittelalter hohe Bedeutung für die Glaserzeugung, weil man das viele Holz aus dem (damals) Böhmischen Wald für die Asche als Zusatz während des Produktionsprozesses benötigte. Diese Kunst hatte sich in der ganzen Gegend etabliert. Heute gibt es nur mehr kleine Manufakturen für Liebhaber. Aber der Nationalpark hat viele Touristen angelockt, das besondere daran ist ja die vollkommene Überlassung des Waldes an die natürlichen Vorgänge ohne menschliche Einflussnahme. Das ist nun zwar erst 40 Jahre so eingerichtet, trotzdem sind die Veränderungen im Wald bei Wanderungen schön zu beobachten (aber das war ein andermal…).
Als Abschluss des Tages konnte ich mit einem Berliner Wandertouristen ein Bier aus der Zwiesler Dampfbrauerei genießen. So habe ich interessante Details und Gerüchte zur Eröffnung des neuen Berliner Flughafens erfahren, aber das wäre wohl ein eigenes Buch.
In Deutschland musste man zu dieser Zeit in jedem Lokal die Kontaktdaten schriftlich hinterlassen, auch wenn man nur auf die Schnelle etwas trank. Das Lokal war nur mit Maske zu betreten, und man konnte sie erst am Tisch abnehmen. Diese Regelung war ja in Österreich im Juni aufgehoben worden. Es wird sich zeigen ob das zu früh war.
2. Reisetag, Freitag 3.7. 2020
Von Zwiesel nach Weimar
348 km, leicht bewölkt, 14 – 24 C
Von Zwiesel nach Norden gehts gleich durch den Oberpfälzer Wald zur nördlichen bayrischen Grenze. Unterwegs gibt es Bilderbuchlandschaft, kleine Hügel und geschwungene kleine Landstraßen, Motorradfahren vom Feinsten!
Man sieht sehr viel Holzwirtschaft, und nur riesige Traktoren. Allerdings ist hier auch die Brezelgrenze, ab da gibt es nur mehr die gleich schlechten Brezel wie in Österreich. Aber die Leute sind sehr freundlich, es fehlt schon der bayrische Gnadengrant (ich bin zwar grantig, aber dir gegenüber ausnahmsweise gnädig, was aber schnell verspielt ist).
Nördlich von Hof überquert man die Grenze zu Thüringen, die auch ehemalige innerdeutsche Grenze zur DDR war. Direkt an die Grenze ist dafür eine schöne Tafel zur Erinnerung aufgestellt.
Natürlich habe ich da eine Pause gemacht, und habe dort einen Harley Fahrer aus Leipzig getroffen. Er erzählte mir, daß er genau hier als DDR Soldat seinen Dienst gemacht hatte. Er hat mir genau geschildert wie das aufgebaut war. Auf DDR Gebiet etwa 40 m von der Grenze war der erste Hohe Zaun mit Wachtürmen installiert. Die horizontalen Drähte waren abwechselnd mit unterschiedlichen Spannungen elektrisch geladen. Elektronisch wurde sowohl ein Kurzschluss oder eine Unterbrechung detektiert, auch mit dem ungefähren Ort des Vorfalles für den Alarm. Nach diesem Zaun war ein befestigter Weg für LKW längs des Zaunes eingerichtet, auf dem Streife gefahren wurde. Nach der LKW Spur war dann der eigentliche 6m hohe „normale“ Grenzzaun, der aber so ausgeführt war, daß man nicht hinauf klettern konnte.
Der ganze Streifen ist immer noch klar erkennbar, mit wenig Bewuchs und die Wälder mit alten Bäumen auf beiden Seiten.
Hier ist man bereits im Fichtelgebirge. Nach Thüringen hinein kommt man in eine andere Welt, die Häuser sind anders gebaut, und die Traktoren scheinen die Modelle aus den 80ern zu sein. Es gibt an der Straße kaum ein Café zu finden, und die Leute schauen etwas erstaunt, wie man sich dorthin verirren kann. Die wenigen mit denen ich Kontakt hatte sind aber sofort sehr freundlich geworden. Ich hatte mir ja am Sonntag davor zu Hause bei einem Arbeitsunfall einen blauen Fleck unter dem Auge zugezogen, es kann ja sein dass die Leute in mir deshalb eine gefährliche Person vemutet hatten.
Durch den Thüringer Wald fährt man wieder durch schönste Landschaften und auch Schluchten, und man sieht viel verfallene Industrie.
Und dann Weimar, eine wiederum eigene Welt. Hier hat Goethe sein Leben nach dem Studium verbracht, als Vertrauter des Herzogs und auch Minister. Damals konnte sich ein Minister noch für beinahe 2 Jahre für eine Italienreise abmelden. Nach der Rückkehr hat er seinen Landesherrn zum Bau einer Parkvilla überredet, das heute „Italienisches Haus“ genannt wird, ganz nach dem Muster von Griechisch-Römischen Tempeln auf Sizilien. Er war eben auch ein normaler begeisterungsfähiger Mensch. Er hat sich nach ein paar Anläufen mit dem um 10 Jahre jüngeren Schiller zusammen getan, und es scheint jeder hat vom anderen profitiert. Ein Denkmal mit den beiden wie sie sich die Hände reichen steht vor dem Nationaltheater, in dem nach dem 1. Weltkrieg die neue Verfassung der Neugegründeten Republik unterzeichnet, die ja leider nur 14 Jahre lang gehalten hat.
Für die heutigen Weimarer scheint diese Geschichte eine Verpflichtung zu hoher Bildung zu sein. Die jungen Weimarer treten sehr selbstbewusst und abgeklärt auf, und sie scheinen sich dessen bewusst zu sein, dass den Nicht-Weimarern einfach die klassische Bildung höchstwahrscheinlich fehlt. Im Restaurant hörte ich von jungen Leuten Streitgespräche über die antike Geschichte und philosophischen Interpretationen. Am Gymnasium hier zu unterrichten, muß wohl etwas besonderes sein.
3. Reisetag, Samstag 4.7. 2020
Von Weimar nach Lübeck
442 km, heiter bis wolkig, 16 – 23 C
Von Weimar nach Norden geht es durch den östlichen Harz, auch wieder über teils kleinen Straßen an Windrädern vorbei und durch nette Dörfer.
Da bin ich auch in eine Bäckerei für einen Kaffee eingekehrt. Da war ich der einzige Gast, und konnte während des Frühstücks den Kundenverkehr hautnah erleben.
Wegen des Abstand Haltens stand die Warteschlange vor dem Lokal und die Leute sind nur einzeln eingetreten. Mit jedem gab es Wortwechsel unterschiedlichster Art, und es gab alle Arten von Persönlichkeiten, Attraktivitäten und Dresscodes. Einige scheinen direkt aus dem Bett zum Bäcker gelaufen zu sein, andere kamen im Arbeitsoverall oder sogar im Anzug mit Krawatte. Und jeder sprach über seine wichtigste Meldung des Tages. Leider war mein Frühstück schon nach 45 min konsumiert, trotzdem hätte es für eine Dorfchronik gereicht.
Magdeburg konnte ich natürlich nicht auslassen, den Dom musste ich unbedingt von innen sehen, wohl einer der schönsten in Europa. Der Dom war im 2. Weltkrieg zerbombt worden, wurde aber mit originaler Architektur und Material wieder aufgebaut. Otto der Erste hat die erste Kirche mit Kloster hier 936 begründet. Er kann wohl als eigentlicher Gründer eines späteren Deutschlands und über seinen Sohn damit auch Österreichs gesehen werden. Das kann man nicht auslassen.
Nach Magdeburg ging’s bald über die Elbe nach Mecklenburg. Die Häuser ab hier sind hauptsächlich mit Ziegelwänden ohne Aussenputz gebaut. Viele Gärten auch in Schleswig-Holstein sind wie Kindergärten ausgestattet, und es scheint sich alles um das Familienleben zu drehen. Nirgends habe ich so viele spielende Kinder auch zusammen mit Erwachsenen gesehen. Die Elbe hat hier einen sehr natürlichen Verlauf mit Mooren und Schilfwiesen. Man sieht sehr viele Radtouristen.
In einem Café habe ich ein Paar getroffen, die mir beide aus dem Alltag in der DDR erzählt haben, sie hatten in Dresden studiert. Da gab es eine strenge Kontrolle bezüglich der zu lesenden und verbotenen Bücher. Viele Methoden wurden nach dieser Erzählung 1:1 von den Nationalsozialisten übernommen, und das von einer Regierung die über den „faschistischen“ Westen gewettert hatte. Man hat sich auch nicht getraut, in Grenznahe Dörfer zu fahren, weil man ab dann unter Dauerbeobachtung genommen wurde. Man konnte sich auch nicht mit Freunden darüber unterhalten, weil man nie wusste wer alles der Stasi Informationen zugetragen hat.
Sie erzählten mir, dass sie das nur schwer ihren Enkeln nahebringen können, weil diese ganz ungläubig und erstaunt zuhören.
Lübeck hat wiederum einen starken Eindruck auf mich gemacht. Die Kirchen, Stadttore und andere alte Häuser sind sehr aufwendig und ästhetisch gestaltet, und man kann den früheren Reichtum erahnen. Von den Lübecker Kaufleuten ist die Gründung der Hanse ausgegangen, und es war wohl die wohlhabendste Stadt im nördlichen Europa im Spätmittelalter. Es gibt in der Altstadt wunderbare Lokale mit außergewöhnlichen Menus. Die Bar im Hafenbereich in der ich das erste Durstbier getrunken habe, ist täglich bis 8 Uhr früh geöffnet. Das Theater ist zwar wie überall noch geschlossen, aber das Restaurant darin war geöffnet. Es gab herrliche Matjes in verschiedensten Dressings und hervorragender Garnierung.
4. Reisetag, Sonntag 5.7. 2020
Von Lübeck nach Horsens
312 km, leichter bis heftiger Regen, starke Winde, 12 – 17 C
Der Morgen begann mit einem Sprühregen und der Wind wurde immer stärker. Daher habe ich die Landstraße bald verlassen und bin auf die Autobahn nach Norden ausgewichen. Die Bäume an der Landstraße wurden extrem ausgeweht und man musste sich vor abgebrochenen Ästen in acht nehmen.
Der Wind wurde auf der Autobahn noch stärker, aber da war vielfach eine hohe Abdeckung durch den angrenzenden Wald. Der Regen wurde immer stärker. Wenn man über 100 km/h fährt hat man klare Sicht, weil es die Tropfen am Visier wegdrückt.
Auf einer Autobahnstation vor der Grenze traf ich im Restaurant ein junges Paar aus Leipzig, die in Dänemark Urlaub machen wollten. Sie waren mit einem Kleinwagen unterwegs. Aber sie erzählten dass sie manchmal auch mit einem Beiwagen-Motorrad aus DDR Produktion unterwegs seien, und damit auch schon Alpenpässe bis Osttirol überfahren hatten. Auf meine Frage wie sie sich im Beiwagen fühlte, meinte sie dass er sehr sicher fahre. Nur manchmal hebe der Beiwagen vom Boden ab, aber er scheine das im Griff zu haben. Als wir zum Parkplatz gingen, haben sie sich dann mit sehnsüchtigen Blicken mein Motorrad angesehen. Ich denke da wird bald die nächste BMW bestellt, falls das Studium bald abgeschlossen sein würde.
An der Grenze zu Dänemark wurde für genauere Kontrollen aussortiert, aber ich wurde durchgewunken, da hatte wohl einer Empathie für Motorradfahrer bei dem Wetter.
Der Helm und der Goretex-Anzug halten perfekt, und das Visier läuft auch nicht an, Wenn man die Funktionen situationsgerecht anwendet. Nur die Kombination der Hose mit den Bergschuhen hat nicht funktioniert, weil die Schuhe von oben mit Wasser überschwemmt wurden. Da hätte ich mir bei der Kombination doch Gamaschen besorgen sollen.
Bei der nächsten Pause an einer dänischen Autobahnstation hielt neben mir eine Hamburger Familie, die 2 Kinder im Alter etwa 10 – 12 Jahre dabei hatte. Der Vater war voller Erwartung für den Camping Urlaub im Zelt an der Nordostküste, und war stolz dass seine Kinder ihr eigenes Zelt schon selbst aufstellen würden. Die Kinder waren ziemlich aufgekratzt und wollten was zu essen, die Jüngere wollte wissen ob sie bald da seien. Die Ehefrau hat bei dem Optimismus ihres Gatten etwas abgewunken. Aber es herrschte gute Stimmung, und das war schön zu sehen. Ich habe bei dem Sturm am nächsten Tag an der Nordküste öfter an diese Familie gedacht, ob die Heringe wohl im Boden halten würden.
Wegen der Autobahnfahrt bin ich schon zu Mittag in Horsens im Hotel Opus angekommen. Eines der sonst teuren Hotels, die zur Zeit bei Spätbuchung sehr gute Preise anbieten. In diesem Fall war es ein Drittel.
Am Nachmittag konnte ich daher das Industrii Museum in Horsens besuchen. Da gab es auch ein eigenes Haus das der dänischen Motorrad Marke Nimbus gewidmet ist. Dieses Motorrad wurde nur bis 1962 gebaut. Weil die dänische Polizei und die Armee nur diese Marke gekauft hat, war man sich des Absatzes sicher und es wurden keine Innovationen entwickelt, man verkaufte immer noch das gleiche Modell wie 1930. Ein gutes Beispiel dafür dass Protektionismus keine Firma schützt.
Für Liebhaber von Mechanik sind diese Motorräder aber ein Schmankerl. Das Haus wird von einem etwa 70jährigen betreut. Alle ausgestellten Modelle wurden von ihm restauriert. Er hat 3 Söhne und hat für jeden alle Teile für ein komplettes Nimbus Motorrad gesammelt, teilweise mussten die Teile originalgetreu nachgebaut werden. Jeweils ab etwa dem Alter von 10 hat er dann mit dem jeweiligen Sohn begonnen, sein eigenes Motorrad zusammenzubauen, sodass es mit dem 18. Geburtstag betriebsbereit war. So haben nun alle 3 ein angemeldetes Motorrad aus den 30ern. Die Begeisterung dieses Mannes war ein schönes Erlebnis.
Mein Motorrad hat ihm auch gefallen, aber er sagte dass Nimbus vor BMW den Kardanantrieb angewendet hat und dass es von BMW kopiert wurde, aber da gäbe es unterschiedliche Meinungen.
5. Reisetag, Montag 6.7. 2020
Von Horsens nach Hirtshals
235 km, mehrmals heftiger Regen mit Pausen, Windstärke 5 – 7, 12 -18 C
Am Vormittag war der Wind noch erträglich, aber ich habe 3 Regengüsse durchfahren. Bis zum Flughafen Aalborg waren breite Landstraßen mit weiten Kurven zu fahren, allerdings gibt es 80 km/h Geschwindigkeitsbeschränkung. Aber das passte laut Navi perfekt zur Ankunftszeit von Christine. Sie hatte ja den Flug von Wien über Kopenhagen gebucht, hat aber erst frühmorgens erfahren dass der Kopenhagen Flug gecancelt war. So wurde sie kurzfristig über Amsterdam und dann nach Aalborg umgeleitet.
Bei ihrer Ankunft begann aber auch ein starkes Gewitter mit heftigen Sturmböen. Meine App zeigte Bft 9 vor der Küste, an Land waren es wohl auch 7 – 8. Daher haben wir im Flughafenhotel gewartet, bis zumindest der Regen aufgehört hat. Die 60 km bis Hirtshals sind wir aber bei schwierigen Windverhältnissen gefahren. Ich musste mein volle Konzentration und Kraft aufwenden, um die Böen zu kompensieren.
In Hirtshals waren wir für den Aperitiv in einer Irish Bar. An der Theke haben wir uns lange mit dem Kellner von den Shetland Inseln unterhalten. Er hat es bedauert, dass sie zum UK gehören, und ist gefühlsmäßig viel näher zu Dänemark. Sein Vater hatte einen Fischkutter, und er ist als Kind oft mit nach Dänemark gefahren, wo sein Vater seinen Fang verkauft hat. Er überlegt sich einen Wechsel der Staatsbürgerschaft, nachdem er bald eine Arbeitserlaubnis in Dänemark benötigen würde.
6. Reisetag, Dienstag 7.7. 2020
In Hirtshals auf die Fähre Norröna und Abfahrt nach Seydisfjördur
5 km, Schönes Wetter, Windstärke 5 aus West, 14 – 20 C
Von der Frühstückspension in Hirtshals zur Fähre war die Anfahrt nur kurz. Wir mussten um 8.30 da sein, obwohl die Abfahrt erst um 11.30 geplant war. Nach etwas Wartezeit und Diskussionen unter den Motorradfahrern, die alle sofort ins Gespräch kamen, wurden wir zu einem COVID Test aufgefordert. Das war kein Problem, und später an Bord wurde bestätigt dass kein Passagier positiv getestet wurde.
Dann fuhren wir auf die Fähre, und nach festmachen des Motorrades nach gingen wir in unsere 2 Bett Kabine. Zwei Nächte lagen vor uns, und es war sehr entspannend nach all den Unsicherheiten, ob wir es überhaupt bis hierin schaffen würden.
Die Fähre ist gut ausgestattet, mit 3 Restaurants unterschiedlicher Klasse, einer Bar mit verschiedenen Zapfbieren, einer Junk Food Theke und einem Kino. Die Fähre wird mit Turbine betrieben, daher ist es sehr ruhig ohne Vibrationen.
Am Oberdeck kann man den Fahrtwind plus Starkwind aus Westen genießen, da muss man sich schon dagegen lehnen.
Lange Zeit nach der Abfahrt sieht man die norwegische Küste ganz nahe.
7. Tag, Mittwoch 8.7. 2020
Mit der Fähre über den Nordatlantik, Zwischenstopp auf den Färoern
schönes Wetter, ruhige See
Der Tag verlief ruhig mit Lesen, Bericht schreiben, Oberdeck genießen, einige Wale von Ferne beobachten und schlafen. In Torshavn auf den Färöern kurzer Zwischenstopp den wir vom Oberdeck genossen haben. Das 6-gängige Abendessen im feinen Simmer Dim an Bord war ein wunderbares Erlebnis. Wir saßen direkt am Fenster und haben die vorbeiziehenden Färoer Inseln bewundert, einen wunderbaren österreichischen Weißwein und die Menufolge genossen.
8. Tag, Donnerstag, 9.7. 2020
152 km, Ankunft in Island und Fahrt nach Breiddalsvik in das Hotel Blafell
Bei Ankunft leichter Regen, 11 C, starker Wind, später wolkig bei 15 C
Vor der Ankunft in Island um 10.15 wurde von jedem Passagier zwei Proben für den COVID Test genommen, eine aus dem Rachen, eine aus der Nase, beides ganz tief und vor allem von der Nase sehr unangenehm. Die Ergebnisse waren am Abend um 20 Uhr über die App bekannt, beide waren wir wieder negativ.
Nach einem Kaffee in Seydisfjördor ging’s über einen 620m hohen Pass wieder hinunter nach Egilsstadir. Auf der Passhöhe Regen bei 4 C und 6 Bft Windstärke, das war die Feuertaufe für das Wetter in Island.
Auf der Ringstraße 1 ging’s dann nach Süden für die Island Umrundung im Uhrzeigersinn. In Reydarfjördur sind wir von der Ringstraße abgefahren, und haben die Halbinsel Vattarnes an der Küste entlang umfahren, anstatt die Abkürzung durch den Tunnel zu fahren. An der Landspitze haben wir mit dem Fernrohr die Vogelinsel Skrudur beobachtet. Das Swarovsky Bird Watcher Fernglas ist dafür bestens geeignet, ich hatte das schon in Spitzbergen mit dabei.
Vor der Insel haben wir dabei 2 Orcas gesehen die lange an der gleichen Stelle ihren Spaß gehabt haben, für uns eine Sensation!
Die 48 km lange Umrundung der Halbinsel ist wunderbar zum Fahren, mit sehr wenig Verkehr. allerdings sind 2 Teilstücke mit je etwa 5 km Länge Schotterstraße, die in den kurzen Steilstücken bei lockerem Schotter mit den Straßenreifen teilweise schwierig zu fahren waren.
Am Ende konnten wir auch ein Mineralogie Museum besuchen. Dieses wurde von Petra Sveinsdottir über viele Jahrzehnte zusammengetragen, und hat wunderschöne Exponate. Sie lebt nicht mehr, und das Museum wird von ihren Kindern betrieben.
In Breiddalsvik haben wir am Abend in der Dorfbrauerei 4 verschieden Ales gekostet, während wir auf der Terasse die Abendsonne in der umwerfenden Landschaft genossen haben. Das isländische Wasser beinhaltet wenig Karbonate und ist daher ideal für das Bierbrauen geeignet, nur der pH Wert muss reduziert werden.
Dort haben wir auch die Armada von Radfahrern getroffen, die wir heut 3x überholt hatten. Die Gruppe von etwa 40 Fahrern sind Teil einer nordischen Organisation, die Aktionen zur Unterstützung von krebskranken Kindern machen. Heuer war eine Sternfahrt nach Paris geplant gewesen, die Isländische Gruppe von Kopenhagen aus. Ist aber wegen Corona gescheitert, so fahren sie eben rund um Island in 2 Wochen.
9. Tag, Freitag 10.7. 2020
206 km, Von Breiddalsvik nach Hornafjördur zur Farm Nypugardar
Meist schönes Wetter, 12 – 16 Grad C, Wind 3 – 5 aus W, manchmal ein paar Tropfen Regen
Einen Fjord nach dem anderen durchfahren. Die Gletscherflüsse werden mit einspurigen Brücken überfahren. Aber durch den geringen Verkehr muß man selten warten. Es fährt selten ein Auto vor uns, es ist wunderschön zu fahren.
Bei einer Seefunkrelaisstation haben wir halt gemacht. Dort war wie an mehreren entlegenen Stellen eine Ein-Draht Mittelspannungsleitung zur Strom-Versorgung zu sehen. Am Trafo war der zweite Leiter geerdet. Das habe ich noch nie so gesehen.
Vor dem Sendeturm haben wir mit Fernglas 2 riesige Wale beobachtet. Beeindruckend wie sie immer wieder abgetaucht und dabei die Schwanzflosse ganz gezeigt haben. Die Art konnte ich nicht bestimmen.
Dort haben wir auch eine Familie aus Gelsenkirchen getroffen, die mit einem VW Pritschenwagen unterwegs gewesen waren. Auf der Ladefläche waren mehrere große Campingzelte und weitere Ausrüstung, der 4-Rad Antrieb war mit breiten Profilreifen ausgestattet. Die haben den Wagen per Spedition nach Island gebracht, und sind geflogen. Der Wagen ist über die Ferien durch 3 Familien ausgelastet.
Heute haben wir an einer Aussichtsstelle Gimli getroffen, allerdings mit weißem Bart ( wer nicht weiß wer das ist, bei „Herr der Ringe“ nachschauen). Leider habe ich es nicht gewagt, ein Foto zu machen.
In Höfn haben wir im Café Hornid einen Illy Kaffee getrunken, eine gute Abwechslung bei dem sonst meist sehr dünnen Sud.
Übernachtet haben wir auf der sehr einsam gelegenen Schaf/Pferdefarm Nypugardar mit Aussicht auf die Gletscherausläufer des Vatnajökull.
Am Bauernhof wurde Lammbraten und selbst gemachtes Bailey-Eis serviert. Den Rioja Wein haben wir aus dem Supermarkt in Höfn mitgebracht.
10. Tag, Samstag 11.7. 2020
84 km Fahrt, 5 stündige Wanderung zur Flaajökull Gletscherzunge, weitere Übernachtung in Nypugardar
Bewölktes bis heiteres Wetter, 11 – 15 Grad C, kein Regen
Von der Ringstraße ging es 7 km über teilweise schwierige Schotterstraße zu einem Parkplatz. Dort haben wir die Motorradkluft das erste mal im großen wasserdichten Sack zurückgelassen, und die Wanderkleidung angezogen.
Dann ging es über einen Damm zum östlichen Hang unterhalb des Gletschers. Die Fußgänger Hängebrücke am Parkplatz war zerstört, die massiven Betonpfeiler waren wohl vom Frühjahrsschmelzwasser unterspült worden und lagen im Fluss. Dadurch hat sich der Anmarsch zur Gletscherzunge erheblich verlängert.
Der Damm wurde gebaut, um das Gletscherschmelzwasser von vielen Bächen auf einen Fluss zusammenzuführen, damit das Land südlich des Damms nutzbar und für den Verkehr erschlossen werden kann.
Vom Ende des Damms ging es noch mehr als 1 Stunde zum Gletscher. Der Flaajökull ist einer der vielen Gletscher die vom mächtigen Vatnajökull gespeist werden.
Der Vatnajökull liegt auf einer Hochebene und hat mit 8.000 km² beinahe die Fläche Kärntens. Mit den etwa 3000 km³ Eis hat er um ein Vielfaches an Eisvolumen im Vergleich zu allen anderen Europäischen Gletschern zusammen.
Wenn man am Fuße eines der Ausläufer auf beinahe Meereshöhe steht, ist man alleine von dessen Mächtigkeit schwer beeindruckt. Das Schmelzwasser läuft in Oberflächenbächen auf dem Gletscher herunter, und unter dem Eis haben wir mehrere Höhlenbäche gesehen.
Im Geröll neben dem Gletscher haben wir viele Steine mit offenen kristallinen oder Kristalleinschlüssen gesehen.
Nach der etwa 15 km Wanderung haben wir in Höfn noch herrliche Langusten gegessen.
11. Tag, Sonntag 12.7. 2020
184km, Von Nypogardnar nach Efri-Vík zum Hotel Laki
12 – 15 Grad C, bewölkt bis heiter, kein Niederschlag, etwas Wind
Das Wetter ist bisher besser als die Wettervorhersagen es vermuten lassen, der Himmel reißt oft unerwartet auf.
Der Jökulsalon ist ein Gletschersee mit etwa 4km Durchmesser, der direkt am Gletscherabbruch des Breidamerkurjökulls liegt. Der Kurze Abfluss ins Meer wird von einer Hängebrücke der Ringstraße überquert. Der See fasziniert wegen der vielen Eisberge oder eher Brocken die sich langsam Richtung Ausfluss bewegen. Viele laufen vorher auf Grund und müssen erst etwas Abschmelzen bevor sie weiter auf das Meer schwimmen können. Durch das unregelmäßige Abschmelzen drehen sich die Brocken manchmal.
Das Eis hat sehr unterschiedliches Aussehen, von Glasklar über türkis bis dunkel Blau-Grün, anscheinend abhängig vom Druck und der Dauer dem es ausgeliefert war.
Der See liegt auf Meeresniveau, daher sind auf dem „Ausfluss“ je nach Gezeitenverlauf starke Strömungen in beide Richtungen zu sehen.
Am Meeresstrand mit feinstem schwarzen Sand liegen kleinere Eisblöcke die von der Brandung zurückgeschwommen werden.
Nach 40 km Weiterfahrt kommt man zum Skaftafell Besucherzentrum, in dem verschieden lange Wanderrouten den Wasserfällen entlang zum Gletscher genau beschrieben waren. Das nächste Mal würden wir dafür unbedingt mehr Zeit einplanen.
Danach geht es knappe 40 km über das größte Gletscherausfluss Schwemmland in Island Skeidararsandur. Eine sehr flache und nur von Steinen und wenig Bewuchs überzogene Weite Fläche. Die weitverzweigten Gletscherbäche werden über Dämme zu Flüssen geformt, die dann von Brücken überspannt werden.
Übernachtet haben wir im schön gelegenen Hotel Laki in Efri-Vík mit hervorragendem Restaurant. Das Economy Zimmer war leider sehr klein mit schlechter Ausstattung und wirkte im Badezimmer schmuddelig. Zum sonst guten Hotel hat man eine Art Container mit einer Zimmerflucht dazugestellt. Das sind die Schattenseiten von zu schnell wachsendem Tourismus. Wir haben kein Problem mit Economy, weil wir ja auch in Alpenvereinszimmern übernachten, allerdings war der Preis mit 158 € inkl. Frühstück dafür nicht passend.
12. Tag, Montag 13.7. 2020
222 km, von Efri-Vík nach Hvolsvollur
13 – 16 Grad C, bewölkt bis wolkenlos, bis 9 Uhr Regen, danach kein Niederschlag, zuerst wenig Wind, am späteren Nachmittag zunehmend
Kurz nach Vík i Myrdal liegt die Abzweigung zum schwarzen Strand von Reynir. Unter einem Basaltfelsen liegt der Strand mit relativ hoher Brandung. Vor dem Strand ragen zwei Felsnadeln in die Höhe und in etwa 2 km im Westen sieht man das Felsentor von Dyrholaey. Bei dem schönen Wetter und dieser Umgebung wähnt man sich auf einem anderen Planeten.
Das hat einen sehr starken Eindruck hinterlassen.
Der nächste Halt war beim sehr schönen Skogarfoss Wasserfall. Dort kann man über Stufen zur Hochebene hochgehen, aus der der Wasserfall herunterfällt. Von dort führt ein Wanderweg weiter bis zum Gletscher, den wir aber nicht weitergegangen sind.
Am Fuß des Falles sieht man 2 Regenbogen (bei bestimmter Sonneneinstrahlung).
Nach weiteren 7km liegt die Zufahrt zum Seljavellir Thermenbad. Nach etwas Schotterweg kommt man zu einem Parkplatz, und von dort geht man 15 min bis zum Bad mit etwa 35 Grad C. Die Umkleide befindet sich in einem kleinen Betonbau, und dann kann man das warme Bad in der Wildnis genießen.
Unser Hotel lag kurz nach Hvolsvollur nach rechts etwa 8km in eine Seitenstraße, und dan noch einmal 1km in eine weitere Seitenstraße. Ein sehr einsamer Platz, aber ohne Verkehrslärm. Das Zimmer war schön und groß, und die Wirtin sehr nett. Aber es gab nichts zu essen, daher sind wir wieder 15 km zurück nach Hvolsvollur für eine große Pizza gefahren.
13. Tag, Dienstag 14.7. 2020
220 km, Von Hvolsvollur mit Abstecher ins Hochland Hrauneyar, dann nach Laugaras
9 – 15 Grad C, bewölkt, manchmal Regen, im Hochland kalt und windig
Durch schöne Landschaften sind wir bis zum Highland Center Hrauneyar gefahren, ein paar Tafeln informieren über Geologie und Straßen für die Hochland Überquerung. Am Parplatz stehen gewaltige Geländefahrzeuge, teilweise mit Seilwinde und extrem breite Reifen ausgestattet. Aber auch Radfahrer, die mit Camping Gepäck die 250 km über schlechte Straßen und durch Flussfurten nach Norden fahren wollen. Alles Abenteurer auf die eine oder andere Art.
Wir sind von dort wieder nach Süden gefahren, und haben uns auf dem Weg den Hjalparfoss angesehen. Dieser Wasserfall hat sich tief in das vulkanische Basaltgestein eingefressen, das ganze Flusstal erinnert daran, das Island über die letzten 25 Mio. Jahre durch Vulkane aus dem Atlantik „erstanden“ ist. Da alle paar Jahre ein größerer Ausbruch erfolgt, ist Island das Resultat von mehreren Millionen Vulkanausbrüchen.
Am Abend haben wir in Laugaras das sehr schöne Zimmer in einem B&B für 2 Nächte bezogen, mit einem sehr netten Ehepaar als Betreiber und Eigentümer. Zum Abendessen sind wir nach Reykholt ins Mika gefahren. Die polnische Besitzerin hat das in den letzten 25 Jahren aus dem Nichts aufgebaut, beginnend mit einer Chocolatiere, die auch heute noch da ist. Das Essen war so besonders gut, dass wir am nächsten Abend wieder dort waren.
14. Tag, Mittwoch 15.7. 2020
98 km, Rundfahrt nach Geysir, zum Gullfoss und nach Fludir, zurück nach Laugaras
10 – 14 Grad C, bedeckt, fast immer wechselnden Regen, etwas Wind
Das Frühstück hatten wir zusammen mit den Betreibern der Pension eingenommen, wir waren die einzigen Gäste. Wir bekamen sehr hilfreiche Informationen und Tips für unsere Reise. Auch die Geschichten über die Reise des Paares nach Österreich letztes Jahr, nach Salzburg und Filzmoos waren nett anzuhören. Interessant wie Österreich von Isländern gesehen wird. Sie waren begeistert von der Qualität und dem guten Essen.
Das Geysirenfeld ist nur 35 km entfernt, daher waren wir bald dort. Der Strokkur Geysir spritzt alle paar Minuten etwa 25 m hoch. Obwohl man das gesehen haben muss wenn man schon hier ist, hat es uns nicht so begeistert. Faszinierend sind aber die vielen Pools mit dem kochenden Wasser.
Danach ging es zum Gullfoss, ein gewaltiger Wasserfall. Man sieht hier ja viele Wasserfälle, aber der ist mit den Wassermassen und die mehrstufigen Felsen und dann die Schlucht besonders beeindruckend.
Ein Höhepunkt für die Reise war aber das offene Thermalbad Secret Lagoon Gamla Laugin in Fludir. Nach den Duschen kommt man zum Pool mit etwa 38 – 40 Grad Wasser, an den Stellen an denen das Wasser aus den kochenden Felstöpfen in den Pool fließt aber auch bis zu 45 Grad C. Das ist nach so einem kalten Regentag sehr wohltuend!
Die Leute nehmen sich Weingläser und Bier in den Pool mit, und es herrscht eine sehr ausgelassene Stimmung. Ein tolles Erlebnis, das man sich hier nicht entgehen lassen sollte.
15.Tag, Donnerstag 16.7. 2020
131km, Von Laugaras zum Thingvellir Nationalpark, und weiter nach Hveragerdi
10 – 13 Grad C, bewölkt bis bedeckt, einige Schauer, leichter Wind zunehmend
Thingvellir war der Ort, an dem ab dem 10. Jhdt jährlich die Häuptlinge aus ganz Island zusammengekommen sind, um alle an den Inhalt der „Verfassung“ und der geltenden Gesetze zu erinnern. Diese haben waren vorerst nicht schriftlich festgehalten, und der Sprecher musste den auswendig zitieren.
Der Ort ist geographisch deshalb so besonders, weil hier klar sichtbar die Spalte der auseinanderdriftenden Kontinentalplatten zu Tage tritt. Die Hauptspalte ist etwa 50 m breit, und es gibt viele Nebenrisse. Bei den tiefen Rissen, die nur bis zu 1m breit sind, sieht man noch schön wie die Felsblöcke noch zueinander passen würden. Die Drift ist etwa 2 cm pro Jahr, ein 50 m Riss benötigt also 2500 Jahre. Tatsächlich sind die jetzt sichtbaren Risse in den letzten 10.000 Jahren seit der Eiszeit entstanden.
Übernachtet haben wir in Hveragerdi im Skyr Guesthouse, das auch ein beliebtes traditionelles Restaurant ist. Außergewöhnlich war die Badewanne, die alleinstehend in einer Ecke des Schlafzimmers war.
16. Tag, Freitag 17.7. 2020
46 km, Von Hveragerdi nach Reykjavík
5 – 11 Grad C, meist bedeckt, Wind in Sturmstärke von Nord, Wetterwarnung für Nordisland, manchmal kurzer Sprühregen
Die Fahrt von Hveragerdi über den nur etwas über 300 m hohen Pass konnte ich teilweise nur im 3. Gang fahren, weil mich die Windböen manchmal um die halbe Spurweite nach links versetzt hat. Auf der Passhöhe war der Wind stabiler aber so stark, dass ich dauernd in einer Schräglage wie in einer schnellen Kurve fahren musste. Die anstrengende Fahrt ist aber gut verlaufen und so sind wir schon Vormittag im Centerhotel Arnarhvoll vor dem Hafenbecken in Reykjavik angekommen.
Im Maritim Museum und im Saga Museum weiter südlich am Hafen haben wir am Nachmittag viel über die aussergewöhnliche Geschichte Islands erfahren.
Zwischen den beiden Museen haben wir in einem Lokal der Boli Brauerei zwei ausgezeichnete Ales probiert. Die Brauereieinrichtung für 3000 l Chargen und etwa 10 Gärtanks ist hinter Glas blau hinterleuchtet, die ganze Einrichtung und die Leitungen sind verchromt. Alles ist wie von einem Designer gestaltet und inszeniert.
17. Tag, Samstag 18.7. 2020
116 km, Von Reykjavík um das Hvalfjördur nach Borganes
8 – 10 Grad C, bewölkt, später heiter, Wind immer noch mit 30 kn Böen, kein Niederschlag
Der Besuch im Nationalmuseum war wieder sehr interessant. Die Landesverwaltung wurde um 1800 nach Reykjavík verlegt, damals hatte die Stadt nur 600 Einwohner, und der Hafen wurde erst ab 1913 gebaut. Vorher mussten bis dahin alle Schiffe in der Bucht ankern, und die Waren mussten mit Ruderbooten an Land gebracht werden. Die Armut und die Lebensbedingungen waren wahrscheinlich noch schwieriger als in den ländlichen Gebieten in Europa. Nur die Hälfte der Kinder erreichten das Erwachsenenalter, und die Häuser waren sehr dürftig ausgestattet. Das Land wurde durch das dänische Handelsmonopol in der Entwicklung stark eingeschränkt. Nach dem Ausbau des Hafens und der Verwendung von motorisierten Schiffen stieg der Wohlstand und die Ausstattung rasch an. Die Unabhängigkeit von Dänemark wurde seit Mitte des 19. Jahrhunderts eingefordert, und wurde nach dem 1. Weltkrieg erreicht, vorerst noch mit dem dänischen König als Staatsoberhaupt, und ab 1944 als Republik.
Die Christianisierung erfolgte um 1000 auf Drängen mit Androhungen des damaligen norwegischen Königs. Der Althing (das Parlament der Häuptlinge) beschloss dann die Einführung des Christentums, aber mit der Möglichkeit, im privaten die alten nordischen Götter weiterhin verehren und die Riten beibehalten zu dürfen, und zusätzlich weiterhin Pferdefleisch essen zu dürfen.
Die lutherische Reformation war um 1550 mit der Köpfung des letzten katholischen Bischofs dramatisch abgeschlossen worden.
Auf der Fahrt nach Borgarnes haben wir den Hvalfjördur Fjord umfahren, und nicht den Tunnel der Ringstraße. Eine wunderschöne Fahrt, allerdings wieder mit starken Windböen. In diesem Fjord hatten die Engländer ab 1940 eine Marinebasis eingerichtet, die Amerikaner dann ab 1942 auf der gegenüberliegenden Seite. In einem Museum und auf Schautafeln an der Straße kann man viel darüber erfahren.
Die Amerikaner sind nach dem 2. Weltkrieg mit einem Luftstützpunkt in Island geblieben, bis 1966 war das von dort ausgestrahlte Fernsehprogramm das einzige im Land. Dies hatte auch eine nachhaltige Wirkung auf die Lebensweise, die bis dahin ausschließlich skandinavisch geprägt war.
18. Tag, Sonntag 19.7. 2020
186 km, von Borganes nach Blönduos
9 – 15 Grad C, bewölkt bis heiter, Wind mäßig aus W, auf dem Pass (406m) stärker
Nach einer Wanderung auf einen Vulkankraterkegel bei Bifröst Weiterfahrt nach Reykir. Im dortigen Regionalmuseum gibt es eine interessante Ausstellung zum Haifischfang, der im 19. Jahrhundert hier große Bedeutung hatte. Dabei war das wertvollste der dabei gewonnene Lebertran, der besonders in Europa sehr gefragt war. Man hat aber alle Teile des Hais verwertet. Das Fleisch wurde wochenlang unter Steinen im Erdboden gelagert, und dann fermentiert lange haltbar, allerdings extrem „schmackhaft“.
Überall in Island Weiden Schafe in eher kleinen Gruppen in der Landschaft. Auf die Schafe in der Nähe der Straße muss man aber aufpassen. Aus Langeweile haben sie ein besonderes Hobby entwickelt, und zwar die Straße erst kurz vor dem Fahrzeug noch schnell zu überqueren. Dabei gehen sie in einen sehr schnellen Lauf über, den man Ihnen nicht zutrauen würde. Meistens sind es drei oder mehr. Ein Schaf schafft es dann doch nicht, und macht mit einem rasenden Galopp eine scharfe Kurve zurück in die Landschaft. Als Motorradfahrer bekommt man ein Gefühl dafür, weil man die Gruppe bereits von weitem hinterlistig blickend im Graben erkennt, und entsprechend die Geschwindigkeit reduziert. Das passt ihnen aber auch nicht, weil sie dann nur sehr langsam mit vorwurfsvollem Blick die Straßenseite wechseln.
17 km vor Blönduos haben wir den Fluss Vatnsdalsa überquert, der beliebteste Fischereifluss für den Fang von Wildlachsen. Angeblich angelt Eric Clapton hier in jeder Saison Ende August.
In Blönduos haben wir im neu renovierten ältesten Gebäude des Ortes ein nettes Zimmer bezogen. Die Wirtsleute des Brimslod Atelier Guesthouse sind passionierte Köche, die ein nordisches Kochbuch in mehreren Sprachen veröffentlicht haben. Vom Esstisch schaut man direkt auf die Brandung des 40 m entfernten Strandes mit dem Steinwall, und der Blick geht in die offene See nach Nordwesten Richtung Grönland. Grönland ist ja nur etwa 225 nm (417 km) entfernt.
19. Tag, Montag 20.7. 2020
221 km, Von Blönduos über Siglusfjördur nach Akureyri
9 – 15 Grad C, heiter bis wolkig, wenig Wind
Das war wieder eine herrliche Fahrt über die Straßen 74 und 76 nach Siglufjördur, Täler mit grünen Wiesen, Schafherden und mäandernde Flüsse bei Sonnenschein, es gab zudem sehr wenig Verkehr. Im Skagafjördur konnten wieder eine Gruppe großer Wale beobachten. Auf den Bergen lag frischer Schnee.
Siglufjördur hat sich nach Eröffnung der Tunnels nach Akureyri zu einem beliebten Ausflugsort gemausert, es wurde viel in die Gebäude und das Ortsbild investiert. Hier könnte man auch ein paar Tage bleiben. Walbeobachtungsboote, Wanderungen und Mountainbikefahrten bieten in dieser schönen Umgebung Abwechslung.
Am späten Nachmittag sind wir in Akureyri angekommen, die zweitgrößte Stadt Islands mit knapp 20.000 Einwohner. Die Stadt ist Handels- und Infrastrukturzentrum für den Norden des Landes. Der Stadtkern mit dem Hafen laden zu einem Bummel ein. Die renovierten Häuser aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert schaffen eine angenehme Atmosphäre mit vielen netten Lokalen aller Art.
20. Tag, Dienstag 21.7. 2020
126 km, Von Akureyri nach Gardur (vor Asbyrgi)
10 – 16 Grad C, schönes Wetter, wenig Wind
Bei ausnahmsweise wolkenlosem Wetter am Morgen macht die Fahrt durch die Isländische Landschaft noch viel mehr Spaß. Gleich nach überqueren des Fjords bei Akureyri geht die Ringstraße 1 durch einen 8 km langen Tunnel durch den Berg, für den vor der Durchfahrt digital eine Maut zu zahlen ist, für Motorräder ist es allerdings frei. Eigentlich wollte ich den 20 km Umweg übe die 83 und 84 fahren, habe aber bei einem Kreisverkehr die falsche Ausfahrt gewählt, und schon waren wir an der Tunneleinfahrt. Hier beginnt wieder eine vulkanisch aktive Zone, deshalb hatte es in der Mitte des Tunnels ungewohnte 28 Grad C was mit unserer Kleidung unangenehm wahrgenommen werden musste.
Eigentlich wollten wir bis zum Myvatn fahren, um von dort von der Ringstraße auf der 87 nach Norden nach Husavik zu gelangen. Myvatn ist ein See mit milchig blauer Farbe und knapp 37 Grad C Temperatur, und ein beliebter Badeplatz. Myvatn heißt zu deutsch Mückensee, was wiederum nichts Gutes verhiess. Schon bei einer Rast lange vorher am Ljosavatn haben uns sehr hungrige Mückenschwärme verjagt, wir haben den Myvatn daher gemieden und sind gleich über die 85 nach Husavik gefahren.
Dort haben wir eine 3-stündige Walbeobachtungsfahrt gebucht, und haben uns vorher das Walmuseum angesehen. Dort sind die wesentlichen Walarten und deren evolutionäre Herkunft gut beschrieben, auch Skelette von Anlandungen sind ausgestellt, eines von einem Blauwal die ja bis zu 190 t schwer werden können. Auch die Geschichte des Walfangs und die Historische Entwicklung des Walschutzes ist dargestellt.
Beeindruckend ist auch die evolutionäre Entwicklung: Schweine, Giraffen und Nilpferde hatten mit den Walen vor etwa 50 Mio Jahren gemeinsame Tiger-Wolf artige Vorfahren, als letztes hat sich das Nilpferd von der Linie abgezweigt. Am Skelett des Blauwales kann man anhand der Knochen der vorderen Seitenflossen die gleiche Struktur mit den Säugetieren erkennen: Oberarmknochen, Gelenk zu Elle und Speiche, die Handwurzel und die einzelnen Finger, allesamt jedoch in der Flosse am lebenden Tier nicht sichtbar.
Die 600 Bewohner in Husavik leben heute im wesentlichen vom Geschäft mit den Walbeobachtungen und dem dazugehörigen Tourismus. Es gibt 3 Gesellschaften mit Holzkuttern, einem Schoner und Schlauch-Speedbooten. Die Ausfahrt kostet etwa 65 €, mit dem Speedboot doppelt so viel.
Unsere Fahrt am Nachmittag war erfolgreich. Zuerst haben wir eine große Gruppe Delphine beobachtet, die aber größer sind als jene Art die wir in der Adria beim Segeln immer wieder sehen. Dann sichteten wir zwei Buckelwale die teilweise bis auf 20 m an unser Boot herankamen. Vor jedem Abtauchen ist die Schwanzflosse gänzlich in der Luft, das schwarz-weiße Muster auf der Unterseite ist wie ein Fingerabdruck. Diese Muster und die (professionellen) Sichtungen sind weltweit dokumentiert, daher können Forscher von jedem registrierten Individuum die Aufenthaltsorte und Zeiten nachvollziehen.
Von Husavik sind wir die 85 weiter nach Norden gefahren, in die Bucht Öxarfjördur zu unserem Hotel Skulagardur etwa 10 km vor Asbyrgi. Die vulkanischen und seismischen Aktivitäten haben hier seit den 1970ern die Landschaft verändert. Es ist ein See entstanden, neue Risse haben sich aufgetan, und vulkanische Schlacke hat sich neu verteilt. Vor Weihnachten 1975 hat das leichte Erdbeben begonnen und hat sich über mehrere Wochen hinweg nicht beruhigt, wobei es nur zu geringfügigen Schäden wie Rissen in den Hausmauern gekommen ist.
Es gibt relativ wenige Unterkünfte in dieser Gegend. Das von einem jungen sportlichen Paar geführte Hotel war umso mehr eine angenehme Überraschung.
21. Tag, Mittwoch 22.7. 2020
303 km, Von Skulagardur über Thorshöfn nach Egilsstadir
7 – 13 Grad C, bewölkt bis bedeckt, hie und da wenig Regen, leichter Wind
Da wir an diesem Tag eine längere Strecke vor uns hatten, und auch die 40 km der 85 kurz nach Thorshöfn als Schotterstraße mit Baustelle gekennzeichnet waren, sind wir gleich nach 8 Uhr aufgebrochen.
Am Vormittag haben wir dann den nördlichsten Punkt unserer Reise 7 km nach der Abzweigung der 874 nach Norden auf der 85 bei 66 Grad 17.9’ erreicht, also nur etwa 40 km südlich des Polarkreises.
In Thorshöfn sind wir im Hafen Café eingekehrt, das als Restaurant und „Cosy Corner Café“ bezeichnet wurde. Ein sehr nettes Lokal, auch die Speisekarte machte einen guten Eindruck. Die polnische Kellnerin hat uns über die Hindernisse bei der Beteiligung an der polnischen Präsidentenwahl 3 Wochen davor von Thorshavn aus erzählt, letzten Endes konnte sie nicht wählen. Sie ist auch Seglerin und hat uns über ihre Erfahrungen in Spitzbergen erzählt. Dann hat uns der Chef des Lokals einiges über isländisches Bier und die Gastronomie erzählt. Er hat uns auch über den genauen Zustand der folgenden Schotterstraße informiert.
Vor der Straße hatte man uns die Tage davor gewarnt, es hat sich aber als halb so schlimm erwiesen. Von den insgesamt 40 km waren 9 km asphaltiert, und bis auf die 8 km lange Baustelle konnten wir mit 50 – 70 km/h fahren, im losen Schotter der Baustelle auch noch mit 10 – 25 km/h.
Ein paar km vor Egilsstadir haben wir noch einmal bei einem beeindruckenden Wasserfall Halt gemacht.
Das Edda Hotel in Egilsstadir war wiederum angenehm. Wir hatten ja schon einiges befürchtet, nachdem die Edda Hotels während des Jahres als Internat arbeiten, und nur in den Ferien als Hotel geführt werden.
Das Abendessen im Lake Hotel Egilsstadir war wieder außergewöhnlich gut, die Empfehlung war vollkommen richtig.
22. Tag, Donnerstag 23.7. 2020
28 km, Von Egilsstadir nach Seydisfjördur und auf die Fähre
3 – 10 Grad C, bedeckt mit fallweisen leichtem Nieseln
Die Fahrt über den 620 m hohen Pass nach Seydisfjördur war weniger windig als bei der Herfahrt, allerdings war es mit 3 Grad C noch kälter und wiederum mit Feucht. Da fährt sich das Motorrad in den Kurven gefühlt vorsichtiger.
Nach unkomplizierten Einchecken und Warten vor der Fähre durften die Motorräder wieder als erste an Bord. Erst nach Bezug der Kabine war uns bewusst dass der Island Urlaub vorbei ist, und alles gut gelaufen ist. Es ist doch ein Abenteuer, und man muss froh sein, dass alles gut gelaufen ist.
Insgesamt sind wir in Island mit dem Motorrad 2.323 km gefahren. Die Gesamtrunde auf der Ringstraße sind 1440 km, das heißt wir sind mit den Umwegen, Zufahrten zu den Hotels, Lokalen und Sehenswürdigkeiten zusätzliche 883 km gefahren, die sich alle ausgezahlt haben.
23. – 28. Tag, Freitag 24.7. bis 29.7. 2020
Rückfahrt mit der Fähre nach Hirtshals, und dann mir dem Motorrad nach Pörtschach
Die Rückfahrt mit der Fähre war noch ruhiger als die Hinfahrt. Von Hirtshals gings nach Aalborg wo wir übernachtet hatten, damit Christine am nächsten Tag wieder den Flug nach Wien nehmen konnte. Dadurch konnten wir Aalborg etwas geniesen. in einem zufälligen Treffen haben wir mit einem dänischen und einem norwegischen Paar die Craft Biere in einem Lokal probiert.
Nach dem „Kiss & Fly“ am Flughafen bin ich die über 730 km nach Münster hauptsächlich auf Autobahnen durchgefahren, und konnte dort den Dom bewundern.
Am nächsten Tag ging es über kleine Straßen und Orte östlich des Ruhrgebiets wie Limburg nach Lahnstein am Rhein. Dann eine wunderschöne Strecke den Rhein entlang bis kurz vor Rüdesheim, wo ich mit der Fähre den Rhein überquerte und zur Übernachtung nach Speyer weiterfuhr, wo wiederum einer historisch bedeutendsten Dome Deutschlands zu bewundern ist. Dort ist ja z.B. der erste Habsburger Kaiser Rudolf I und sein Sohn König Albrecht I begraben.
Von dort gings am nächsten Tag über viele Seitenstraßen nach Ulm, wo ich bei Freunden einen wunderbaren Abend auf der Terrasse geniessen konnte.
Vor der Übernachtung am nächsten Tag in Kaprun traf ich mich dort noch mit Segelfreunden, mit denen ich auch schon 2013 in Spitzbergen unterwegs war.
Frühaufstehen hat sich am nächsten und letzten Tag für die Glocknerüberquerung gelohnt, ich bin um 6:30 mit sehr wenig Verkehr hinaufgefahren und habe dabei fast nur Radfahrer überholt. Am frühen Nachmittag war ich dann wieder zu Hause in Pörtschach.
Erfahrungen und Eindrücke
Wetter und Klima
Die Wettervorhersagen sind meist schlechter als die erlebte Wirklichkeit, wir hatten deutlich öfter Sonnenschein als es die Vorhersage jeweils erwarten ließ. Die 10 – 15 Grad C die im Juli normal sind, werden jedoch wegen des Windes kühler empfunden. Warme Kleidung ist also auch bei Sonnenschein angesagt.
Ein kurzer Regen oder auch nur ein paar Tropfen sind jederzeit möglich, auch bei sonst schönem Wetter. Gewitter gibt es aber nur selten. Wer die kühle Luft und das wechselhafte Wetter nicht will, sollte sich einen Urlaub in Island zweimal überlegen.
Die Niederschlagsmenge liegt mit etwa 1800 mm pro Jahr deutlich höher als Kärnten mit etwa 1100 mm. In einigen Gebieten liegen die Niederschläge aber um einiges darüber.
Viele Isländer fahren richtige Monstertrucks aus den USA mit großvolumigen Benzinmotoren. Für die Überlandstrecken im Hochland sind das wohl die besten Fahrzeuge. Benzin kostet 220 ISK pro Liter, etwa 1,60 €. Irgendwie geht das schlecht zusammen.
Andererseits gibt es ein gutes Netz für Ladestationen für elektrische Fahrzeuge. Man sieht auch viel davon auf den Straßen. Der Preis für elektrische Energie liegt bei 10 €c/KWh, ist also wegen der geothermischen Energiegewinnung relativ niedrig.
Pflanzen
Vielfach wurden Wälder angesetzt, die sich gut entwickeln, vor allem die Fichte und die Lärche, aber auch Birken und Eschen. Die Fichten sind meist noch nicht alt, etwa 20 – 40 Jahre, die Baumhöhe ist merkbar niedriger als in Mitteleuropa. Der Baumbewuchs ist ähnlich wie in Österreich auf 1700 m bis 2200 m, obwohl das Klima im Winter bei uns auf den Bergen deutlich kühler als in Island ist. Durch die maritime Umgebung sind die Winter in den bewohnten Gebieten nicht so tief wie bei uns auf 2000 m.
Über 300 m Seehöhe gibt es nur wenig höheren Bewuchs und fast keine Besiedelung.
Auf vielen Flächen vor allem in vulkanischer Umgebung ist die Empfindlichkeit des Bewuchses mit Moosen, Flechten und Gräsern spürbar. Daher wird insbesondere auf solchen Flächen darauf geachtet, dass Touristen die gekennzeichneten Pfade und Wege nicht verlassen. Vor allem ältere Touristen scheinen diesbezüglich keine Sensibilität zu haben.
Einige Gebiete erscheinen jedoch mit kräftigem Grasbewuchs. Es gibt sehr viele Blumen, allen voran die Lupinen, auch Sumpfdotterblumen und Glockenblumen. In kargen Gebieten sieht man beinahe die gleichen Kleingewächse und Blüten wie in den Alpen ab 1500 m.
Landwirtschaft
Überall gibt es Bauernhöfe mit Rindern, Pferden und Schafen. Weiden und Heuwiesen sind wegen des Geländes, den Unebenheiten und der Bodenerosion klar zu unterscheiden. Die Farmen haben meist sehr viel Fläche in der Bewirtschaftung, die meisten über 100 ha. Der Ertrag ist viel niedriger als in Kontinentaleuropa, die erste Heuernte ist erst im Juli möglich. Die meisten Flächen sind nur für die Weide geeignet, davon großteils nur für die weniger anspruchsvollen Schafe.
Bei Pferden wird klar nach trainierten Pferden und Fleischpferden getrennt. Subjektiv scheinen das für Isländer unterschiedliche Spezies zu sein. Man sieht Pferdefleisch aber nur selten auf den Speisekarten.
Für Getreide gibt es nur wenige Versuchsflächen. Gemüseanbau ist nur in Gewächshäusern möglich. Vor allem in den Gebieten mit geothermischen Quellen gibt es viele Betriebe, die ganz Island vor allem mit Gurken, Tomaten, Paprika und Blattsalaten versorgen. Andere Sorten müssen importiert werden. Obst kommt fast nur aus europäischen Ländern.
Gastronomie
Es hat sich in den letzten Jahren durch den sehr stark wachsenden Tourismus eine gehobene Gourmetküche entwickelt. Die Speisen sind in diesen Lokalen meist geschmacklich und auch optisch vom Besten. Für Hauptspeisen muss man da mit 30 – 60 € rechnen.
Die Preise sind damit auch für nordeuropäische Standards sehr hoch. Viele weniger gute Restaurants haben sich aber nur nach den Preisen an der Spitzengastronomie orientiert. Wenn man also einmal weniger Geld ausgeben will, dann zahlt man trotzdem nur geringfügig weniger. Die gleichen Speisen kosten in der guten Gastronomie nur 10% mehr.
Es werden leider hauptsächlich Pizzen, Hamburger und Pommes Frites gegessen. In vielen Lokalen gibt es nur mehr das, und es gibt an manchen Orten keine Alternativen. Wer also nicht die Preise in der Spitzengastronomie zahlen will, sollte sich besser selbst aus dem Supermarkt versorgen als die „billigen“ Lokale zu besuchen. Es gibt ganz wenige Ausnahmen, zum Beispiel gibt es manchmal ausgezeichnete Fish & Chips mit zartestem Kabeljau, aber auch das kostet 3000 ISK.
Gutes Gemüse bekommt man nur in teuren Restaurants. Ansonsten schaut es eher schlecht aus, wenn überhaupt etwas dabei ist.

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