Radtour von der Donauquelle (Bregquelle) bis nach Wien zum Stephansplatz
16. – 29.6. 2021
Verfasser: Werner Luschnig

Prolog
Bei einer so langen Radtour bekommt man sehr unterschiedliche Eindrücke beim Radeln, von Schautafeln am Radweg, von Erzählungen und aus der Literatur. Mit meiner Frau Christine sind wir die Tour zu zweit gefahren, wir haben diese Reise wirklich genossen.
Dieser Bericht gibt die Gedanken und Eindrücke während der Fahrt wieder, diese sind sehr unterschiedlicher Natur und wechseln sehr oft: Landschaftlich, historisch, geologisch, Fauna und Flora, Flussregulierung und Renaturierung, und die Menschen die man trifft und sieht.
Vor und während der Reise habe ich aus unterschiedlichen Quellen folgende geologische Geschichte zusammengefügt: Die Donau ist vor etwa 25 Mio. Jahren entstanden, mitten im Prozess der Auffaltung der Alpen. Diese Urdonau hat vom Genfer See aus auch die heutige Schweiz entwässert und hat sich irgendwo östlich von Bayern in ein Meer ergossen. Durch die stärkere Anhebung der Osthälfte des Voralpenbogens, hat sich die Flussrichtung dann umgekehrt, und die Donau ist eine Zeitlang nach Westen über die Rhone abgeflossen. Erst vor 11 Mio. Jahren hat sie wieder die östliche Richtung eingenommen und ist dann östlich von Wien in ein Meer geflossen.
Bis spätestens vor 1 Mio. Jahren hat sich durch einen Grabenbruch der Rhein bis in die Alpen verlängert, und hat den alten Oberlauf der Donau abgeschnitten. Seitdem entspringt die Donau im Schwarzwald, mit dem längsten Quellfluss, der Breg in 1075m Seehöhe, sehr knapp unter der europäischen Wasserscheide zum Rhein. Der Zusammenfluss der Breg 48 km nach der Quelle mit der Brigach in Donaueschingen bildet ab da die Donau.
Aber auch der Verlauf der Donau hat sich im Laufe der Zeit geändert. Unterhalb von Ingolstadt befindet sich vor Kelheim der Donaudurchbruch. Hier fließt die Donau mit erhöhter Strömungsgeschwindigkeit in einer Felsenschlucht mit etwa 200m Höhe auf beiden Seiten. Vor mehr als 3-4 Millionen Jahren ist die Donau weiter nördlich geflossen, und zwar vor Donauwörth nach Norden, und dann über das heutige Altmühltal nach Kelheim. Im Nördlinger Ries gab es etwa vor 15 Mio. Jahren einen gewaltigen Asteroideneinschlag, der die Geologie dort nachhaltig beeinflusst und so diesen Donauverlauf begünstigt hatte.
Das Felsmassiv des heutigen Durchbruchs hatte aber unterirdische Abflusskanäle aus dem Donautal, die langsam immer größer wurden, bis es zum Zusammenbruch führte und so den Durchbruch langsam ermöglichte. Dieser Prozess war erst vor weniger als 1 Mio. Jahren abgeschlossen.
Ähnliches ereignet sich auch heute gleich 30 km nach Donaueschingen bei Immendingen, wo ein großer Teil der Donau im Boden versiegt, und weiter südlich aus der größten Quelle Deutschlands über die Aach in den Bodensee fließt und damit über den Rhein entwässert wird. Im Sommer versickert das gesamte Wasser, und die Donau muss von neuem beginnen, im Winter fließt ausreichend Wasser, sodass nur ein Teil versickert. Dieser Vorgang ist aber progressiv zu Gunsten des Rhein, daher nehmen Geologen an, dass nach einiger (wenn auch langer) Zeit die oberste Donau dann komplett in den Rhein entwässern wird.
In Passau fließt der Inn mit deutlich größerer Wassermenge in die Donau, sodass viel spekuliert wurde, warum der Strom ab Passau weiterhin Donau heißt.
Entlang der Donau findet man etliche Hinweise auf für die europäische Entwicklung wichtige historische Zusammenhänge und Vorkommnisse. In diesem Bericht sind einige wenige sporadisch erwähnt, die wir unmittelbar wahrgenommen hatten.
Noch bis Ende des 20. Jahrhunderts wurde die Donau anscheinend zum Schutz der Anwohner begradigt, Seitenarme beseitigt und über Deiche eingeengt. Die Hochwassererfahrungen haben aber seit etwa 2000 zu einem Umdenken geführt. Die Donau bekommt wieder naturnahe Seitenarme, Inseln und Lagunen mit stark erweiterten Überschwemmungsräumen. Diese Projekte werden wohl noch Jahrzehnte andauern, aber schon heute sieht man Vogelparadiese und wunderbar vermoorte Landschaften.
Die Donaukraftwerke in Österreich bekommen bachförmige Seitenarme, die vom Anfang der Stauräume bis unterhalb der Staumauern führen, und so den Fischen die Verbindung in beide Richtungen erleichtern.
Die 10 Donaukraftwerke haben eine Gesamtleistung von 2.300 MW und liefern etwa 20% des gesamten österreichischen Strombedarfes.
1. Tag, Mittwoch 16.6. 2021, mit dem Zug von Pörtschach nach Donaueschingen
740km mit Zug, 3km mit Fahrrad
heißer Tag
Mit dem Fahrrad von zu Hause zum Bahnhof in Pörtschach, sehr angenehme Fahrt bis Ulm in einem 1. Klasse Abteil, und reservierte Fahrrad Plätze. Abfahrt um 8.55, Ankunft in Ulm mit 40 Minuten Verspätung um 15.40. Umstieg auf den Regionalzug nach Donaueschingen mit Abfahrt um 16.17 war nicht so angenehm. Der Diesel-betriebene Zug hatte starke Motorvibrationen und war bei weit über 30°C nicht gekühlt. Weitere 30 Minuten Verspätung, Ankunft in Donaueschingen um 18.45.
Das Hotel Traubenhof war nur 800m vom Bahnhof entfernt. Zum Abendessen ging es zum Braustüberl direkt neben der Fürstenberg Brauerei.

Von dort konnten wir nach dem Abendessen in den Schlosspark mit der falschen Donauquelle spazieren.
2. Tag, Donnerstag, 17.6. 2021, von Donaueschingen zur Bregquelle und zurück
85km, 875hm, 42 km ab der Bregquelle
Schönes Wetter, 20 – 25C
Da wir 2 Nächte in Donaueschingen bleiben, sind wir mit reduziertem Gepäck um 9.30 aufgebrochen. Zuerst sind wir die Brigach entlang durch Auen nach Norden gefahren, dann aber in Richtung Westen über den Bergrücken via Herzogenweiler zum Bregtal übergesetzt.
In den Bergwäldern haben wir einen schon älteren Jäger getroffen, der uns von den Ferlacher Jagdgewehren vorgeschwärmt hat. Diese seien die besten der Welt, und man müsse eines haben, wenn man als Jäger ernst genommen werden wollte. Außerdem hätte er es als große Ehre empfunden, eine „so prominente Expeditionsdelegation aus Kärnten in seinem Jagdrevier begrüßen zu dürfen“.
An der Breg entlang gibt es einen wunderschönen Radweg bis nach Furtwangen, von wo wir in das steilere Almtal zur Bregquelle hinauffahren konnten. Die Quelle ist schlicht aber schön eingefasst, und entspringt aus einer steilen Feuchtwiese, nur 150m unterhalb des Sattels, der auch die europäische Wasserscheide zum Rhein bildet.
Auf jeden Fall ist es bewegendes Erlebnis, an der entferntesten Quelle der Donau zu sein, von der Donaumündung aus gemessen sind es 2.888 km. Die Quelle befindet sich auf 1078 m Seehöhe.
Mehr als ein Drittel des Gefälles bis zum Meer werden bereits auf der kurzen Strecke von 46 km bis zur Einmündung der Brigach in Donaueschingen „verbraucht“. Ab dieser Mündung heißt der Fluss erst „Donau“.

3. Tag, Freitag 18.6. 2021, von Donaueschingen nach Sigmaringen
99km, 462hm, 141km seit der Bregquelle, 5:12 h Fahrzeit
Schönes Wetter, bis zu 30C
Von Donaueschingen ging’s über eine Umleitung die ersten km bis Pfohren, ab da wieder auf den Radweg.
Nach Immendingen geht ein kleiner Seitenweg zu den Versickerungsstellen der Donau. Das meiste Wasser versickert an 3 Stellen, und fließt unterirdisch zur Aachquelle, von wo es in den Bodensee fließt, und damit über den Rhein entwässert wird. Im Winter bleibt ausreichend viel Wasser für das Donauflussbett übrig, im Sommer fällt die Donau aber trocken, und wird nur von den kleinen Bächen nach den Versickerungsstellen neu gespeist.

Sehr bald danach kommt man in die Kleinstadt Möhringen, die bei Dürreperioden wegen der versickerten Donau mit Wassermangel zu kämpfen hat. In geologischen Zeiträumen wird die Donau in Möhringen auch im Winter nicht mehr fließen, womit dann der dortige Krähenbach zum Quellfluss der Donau werden wird. Vermutlich wird aber die Donau dann wohl nicht in Krähenbach umbenannt werden. Man stelle sich nur die Umbenennung des Strauss- Walzers „ An der schönen blauen Donau“ vor…

Vor Gutenstein hat sich die Dorfjugend auf einer Fahrradbrücke versammelt, und ist von dort in die Donau mit dem klaren Wasser gesprungen.
Danach fährt man durch ein wunderschönes Schluchtental bis Sigmaringen, mit dem kristallklaren Wasser der noch jungen Donau, Teilweise geht’s auch aufwärts, insgesamt 500 Höhenmeter. Oberhalb der Felsen befinden sich mehrere alte Burgen, einige davon noch bewohnt.

Sigmaringen hat eine beeindruckende Altstadt gleich unterhalb des langgestreckten und zweitgrößten Schlosses in Deutschland.

Das Schloss war der Sitz schwäbischen Hohenzollernlinie, die in der europäischen Geschichte eine große Rolle gespielt hatten. Ein Prinz aus diesem Haus sollte 1870 die Thronfolge in Spanien antreten. Napoleon III hatte diplomatisch dagegen protestiert, und nach einer Provokation durch Bismarck hat Frankreich Deutschland den Krieg erklärt, was aber für Frankreich in der Niederlage und der Abdankung Napoleons III 1871 endete.
4. Tag, Samstag 19.6. 2021, von Sigmaringen nach Ulm
109km, 465hm aufwärts, 250km seit der Bregquelle, 5:46 h Fahrzeit,
Heißes Wetter bis 30C
Von dem Hotel aus sind wir noch einmal zurückgefahren, um die Burg von der Donauseite zu umfahren, ein sehr beeindruckende Sicht mit der langen Burg auf dem steilen Felsen.
Nach Sigmaringen weitet sich das auf, mit bewaldeten Höhenzügen auf beiden Seiten. Die Wiesen neben den Donauauen sind feucht, man sieht viele Störche auf der Suche nach ihrem Futter.
Etwa 70 km vor Ulm kommt man in durch Riedlingen, wo die Donau zweigeteilt durchfließt. Der eine Arm ist aufgestaut und hat an der Stadtbrücke eine Wehr. Durch die 2 Arme entsteht eine Insel als Teil der Altstadt. Flussbezogene frühere Gewerbe kann man an den alten Verbauungen noch erahnen. Die Stadt wurde 1250 gegründet und war ab 1300 bis 1805 im Habsburgischen Besitz. Die Altstadt ist sehr schön und gepflegt, mit einem lebhaften Marktplatz mit Sitzgärten.

Vor Munderkingen überquert man die Lauter direkt an deren Mündung in die Donau. Nicht dass dieser Bach besonders groß wäre, aber die die natürliche Landschaft hier ist wunderschön. Man sieht ganze Familien auf Raftingbooten und Padelbooten.
Bald durchquert man die Kreisstadt Ehingen mit wunderschöner Altstadt und einem großen Brunnen am Marktplatz und einem Bierwanderweg, den wir jedoch nicht genossen hatten, es lag ja noch eine 35 km Strecke bis Ulm vor uns.
Am Abend konnten wir auf einer Dachterrasse in Ulm bei Freunden ein wunderbares Abendessen genießen.
5. Tag, Sonntag 20.6. 2021, wir bleiben in Ulm
22 – 29 Grad C, bewölkt bis heiter, am Abend Gewitter
Angenehmes und ausgedehntes Frühstück, Zeitung lesen und ausrasten. Erst gegen Mittag sind wir in die Stadt gewandert.
Im Ulmer Münster war der Turm wegen Renovierung gesperrt, aber den Dom konnten wir uns innen sehr genau ansehen. Der Bau wurde 1370 mit Finanzierung der Ulmer Bürger begonnen, von 1540 bis 1840 gab es keine Bautätigkeiten, es fehlte ja nur mehr der Turm. Dann wurde der Turm und einige statische Korrekturen bis 1890 abgeschlossen. Seit 1530 ist der Münster nach einer Bürgerabstimmung protestantisch.
Am Rathaus ist eine aus dem 16. Jahrhundert stammende astronomische Uhr installiert. Diese Uhr hat erstaunliche Funktionen. Der Drachenzeiger zeigt den Winkel der Mondumlaufebene zur Verbindungslinie Sonne-Erde, und kann daher die Sonnen- und Mondfinsternisse vorhersagen. 1905 wurde das Uhrwerk mit identischen Funktionen ersetzt, und seit 1975 wurde der Taktgeber gegen ein Funkuhrmodul ausgetauscht.
Das Fischerviertel zwischen Rathaus und Donau ist sehr nett, mit Jahrhunderte alten Fachwerkhäusern, und ist am Sonntag für viele Familien ein lebhafter Erholungsort. Mitten durch die Altstadt fließt die Blau zweigeteilt über einige Stufen ganz eng zwischen den alten Häusern, teilweise sogar unter den Häusern hindurch bis hinunter zur Donau, wo sich an dem Sonntag scheinbar halb Ulm am und auf dem Wasser vergnügt.
6. Tag, Montag 21.6. 2021, von Ulm nach Donauwörth
95km, 148 hm aufwärts, 345km seit der Bregquelle,4:57 Fahrzeit
Schönes Wetter, bis 29C, am Abend ab 22 Uhr Gewitter
Ab Ulm geht es sehr lange direkt an der Donau entlang. Nach Günzburg kommt man am Kernkraftwerk Grundremmingen mit 1350 MW Leistung vorbei, das Ende 2021 endgültig abgeschaltet werden wird.

Eine Pause machten wir in der Stadt Dillingen, eine kleine Stadt mit prächtigen Bauten des Fürstbischofs von Augsburg. Danach über Höchstädt nach Gremheim. In Höchstädt wird auf eine der größten Schlachten des spanischen Erbfolgekrieges 1704 hingewiesen, bei der Prinz Eugen mit Hilfe der Engländer die Franzosen und Bayern geschlagen hat.
Im 30-jährigen Krieg hat diese Gegend besonders gelitten, die Orte wurden mehrfach geplündert und niedergebrannt, einmal von der katholischen, ein andermal auch von der protestantischen Seite. Die Schautafeln weisen auch auf die vielen Toten der Zivilbevölkerung hin. Beide Armeen haben sich nur über Plünderungen versorgt, daher gab es nach 1630 in dieser Gegend keine regulär bewirtschafteten Bauernhöfe mehr.
Die Brücke bei Gremheim war wegen der Bauarbeiten gesperrt, wir sind aber dennoch über einen Seitenstreifen drüber gefahren. Dadurch kamen wir in den Genuss einer natürlichen Kneippanlage an einem Seitenarm der Donau.
Auch das Wasser hier ist noch kristallklar, und beim Durchwaten sehr angenehm kühl. Ein einheimisches älteres Ehepaar hat uns erzählt sie seien ab März jeden Tag an dieser Stelle um das Wassertreten nach Kneipp zu vollziehen.

Die Donau wurde in dieser Gegend teilweise wieder mit Nebenarmen renaturiert, es wurden auch Lagunen angelegt, die heute Naturschutzgebiete sind.
Vor Donauwörth fährt man km lang an einem Fabriksgelände des Airbus Konzerns vorbei, in dem die Helikopter entwickelt und gebaut werden.
In Donauwörth sind wir nach der ersten Hälfte des EM Fußballspiels Ukraine – Österreich zu einem Inder zum Abendessen gegangen (Österreich hat dann ohne uns als Zuseher trotzdem 1:0 gewonnen).
Ab 22 Uhr ging ein heftiges Gewitter nieder, das war eine angenehme Abkühlung.
7. Tag, Dienstag 22.6. 2021, Von Donauwörth nach Weltenburg
111km, 456km seit der Bregquelle
Anfangs kühl, dann bis 23C bei heiterem bis bewölktem Wetter
Weil wir eine lange Strecke vor uns hatten, haben wir uns nirgends lange aufgehalten. Wir wollten ja in Weltenburg übernachten, um im dortigen Kloster das angeblich weltweit beste dunkle Bier im Klosterbiergarten zu genießen.
Wir kamen hier wegen der überwiegenden Schotterwege und etwas Gegenwind nicht so leicht wie am Vortag voran.
So sind wir in Ingolstadt nur der Donau entlang gefahren, und haben die Innenstadt damit ausgelassen.
In Bad Gögging hatte ich ein Deja Vu, als wir an einem Hotel vorbei fuhren, in dem ich vor vielen Jahren einen 3-tägigen Workshop veranstaltet hatte.
Kurz danach befindet sich in Eining eine römische Ausgrabung des Kastells Abusina, das als Beginn des Donau-Limes stromabwärts galt. Von Eining verlief die römische Grenze westlich zum Rhein über das Land.
Vor Staubing (ja: nicht Straubing!) sind wir an größeren Hopfenfeldern vorbeigekommen, Niederbayern gehört ja weltweit zu den größten Hopfenanbaugebieten. Von hier kommen vor allem die Hallertauer Hopfensorten .

In Weltenburg haben wir etwas oberhalb vom Ort in der sehr netten Pension Köglmaier übernachtet. Von dort sind wir über den Hügel zum Kloster gewandert, und haben dort das Bier mit zünftiger Mahlzeit genossen.
8. Tag, Mittwoch 23.6. 2021, Von Weltenburg nach Regensburg
45km Fahrrad, 4km Zille, 505km seit der Bregquelle
Bis 27C, bewölkt bis heiter, ab 22 Uhr Gewitter
Durch den Weltenburger Donaudurchbruch fuhren wir mit der Zille bis zum Fahrradweg vor Kehlheim, eine sehr beeindruckende Fahrt durch die Schlucht.

An den Felswänden sieht man Haken und Ringe, die laut unserem Zillenkapitän in früheren Zeiten zum Traideln durch die Felsenge dienten.

In Kelheim fliesst die Altmühl in die Donau. Diese Mündung ist zugleich der Abzweig von der Donau zum Rhein-Main-Donau Kanal, über den man bis zur Rheinmündung mit dem Schiff fahren kann. Erst ab Kelheim sind daher die großen Schiffe auf der Donau unterwegs.
In Kelheim kamen wir an der Schneider Weissbier Brauerei vorbei, das wohl beliebteste aller bayrischen Weissbiere.
Kurz vor Regensburg fährt man unter der sehr hohen Autobahnbrücke mit steinverkleideten Säulen der A3 durch.
In Regensburg fährt man am wunderschönen Donaupark entlang, hier sieht man die Leute mit allen denkbaren Mobilitätsformen unterwegs, vom Skater bis zum Segway. Viele machen Picknick, oder joggen die Donau entlang. Und natürlich viele Radfahrer.
Bei der steinernen Brücke sind wir dann rechts in die Altstadt abgebogen, wo wir am Haidplatz unser Hotel „Goldenes Kreuz“ fanden. Dieses Hotel stammt aus dem 13. Jhdt, und Kaiser Karl V. hat hier mehrmals logiert. Hier hat er als Witwer mit seiner Altersgeliebten den unehelichen Sohn „Juan de Austria“ gezeugt. Dieser hatte 1571 als Generalkapitän bei Lepanto die europäisch geformte Flotte gegen das Osmanische Reich zum Sieg geführt und damit den Vormarsch der Türken auf Europa aufgehalten.

Ein ausgedehnter Spaziergang über die steinerne Brücke und zurück über die eiserne Brücke hat uns das lebhafte Regensburg gezeigt. Das ganze Stadtzentrum schein ein Treffpunkt für tausende Regensburger zu sein. Die Donau ist hier dreigeteilt, und auf dem mittleren Arm scheint es ein Hobby einiger Leute zu sein, oben in die Donau zu springen und mit einem wasserdichten Sack für die Kleidung nach unten zu schwimmen, um dann mit dem Bus wieder nach oben zu fahren.
Die steinerne Brücke wurde 1146 fertiggestellt, und war über viele Jahrhunderte von Ulm bis Wien der einzige ganzjährig verlässliche Donauübergang. Wie bei einem weiträumigen Trichter hatten sich die Nord-Süd und Süd-Nord Ferntransporte in Regensburg konzentriert um dort den Fluss zu überqueren, dies hat Regensburg zu einer der reichsten Städte des Spätmittelalters gemacht.

Im 30-jährigen Krieg wurde ein Teil der Brücke 1633 von der kaiserlichen Armee gesprengt. Diese Lücke wurde dann durch eine behelfsmäßigen Holzübergang wieder geschlossen. Das Provisorium wurde erst 1791 wieder durch einen Steinbau ersetzt.
Die Brücke wurde unlängst generalsaniert und ist nun nur mehr für Fußgänger zugänglich.
9. Tag, Donnerstag 24.6. 2021, Von Regensburg nach Deggendorf
98km, 239hm aufwärts, 4:45h Fahrzeit, 603km seit der Bregquelle
17 – 27C, heiter bis wolkig, ab 20 Uhr Gewitter
Ein paar Kilometer nach Regensburg kommt bei Donaustauf die „Walhalla“ auf einer Anhöhe, einer Nachbildung des Parthenon in Athen. Es wurde bis 1842 im Auftrag des bayrischen Königs Ludwig I. als Gedenkstätte zum Sieg über Napoleon in Leipzig 1813 erbaut. Bayern war ja ursprünglich auf Napoleons Seite, und wurde daher als Dank zum Königtum erhoben, hatte jedoch noch rechtzeitig vor dieser Schlacht die Seiten gewechselt, und konnte damit als Siegermacht auftreten. In diesem Tempel sind 131 Büsten und 64 Gedenktafeln „teutschsprachiger“ oder für die deutsche Kultur besondere Persönlichkeiten zu sehen.


Nach Straubing haben wir Lu Long, einem Franzosen mit vietnamesischer Abstammung kennengelernt, der von Paris nach Saigon mit dem Fahrrad unterwegs war, volles Gepäck und ohne e-Unterstützung.

Wir haben ihn bis Wien noch öfters getroffen, und er hat uns von seinen Fahrradreisen in vielen Ländern der Welt erzählt. Auf Facebook kann man seiner Reise folgen. Mitte August 2021 war er am Schwarzen Meer bereits in der europäischen Türkei. (https://www.facebook.com/long.lu.180).
In Deggendorf haben wir im Hotel Donauhof übernachtet, waren aber im Stadtzentrum beim Gasthof Höttl im netten Sitzgarten zum Abendessen.
10. Tag, Freitag 25.6. 2021, Von Deggendorf nach Passau
40km mit dem Rad, 14km mit Radklinik Bus, 657km seit der Bregquelle
Bis Mittag angenehm kühl und leichter Regen, Nachmittag wieder sehr warm, heiteres Wetter
Heute konnten wir erstmals 2h unsere Regenkleidung testen 🙂
Für Passau hatten wir mehr Zeit vorgesehen, daher die kürzere Strecke heute. Eine Reifenpanne 14km vor Passau hat uns aber aufgehalten. Matthias Drasch von der Fahrradklinik in Passau hat mich mit dem VW-Bus abgeholt, und in seiner Werkstatt sofort Schlauch und Reifen ausgewechselt. Zusätzlich hat er noch die Achsrichtung des Hinterrades nachjustiert, und dabei endlich das Geräusch beseitigt, das vom Zahnriemen am hinteren Ritzel schon seit Donaueschingen unangenehm verursacht wurde.

Passau ist eine der ältesten Siedlungen des Donauraumes. Die Römer bauten hier das Limeskastell Batavis in einer bereits bestehenden Keltensiedlung, dort wo heute der Dom steht. Im 11. Jhdt. erhielten die Passauer Bischöfe von Kaiser Heinrich II. auch das weltliche und eigenständige Fürstentum Passau. Diese Eigenständigkeit endete 1802 mit der Säkularisation der kirchlichen Güter in Bayern unter dem Einfluss von Napoleon, als es zuerst an Salzburg, und 3 Jahre später zu Bayern kam.
11. Tag, Samstag 26.6. 2021, Von Passau bis Linz
97km, 4km mit Zille, 754km seit der Bregquelle
17-28C, heiteres Wetter
Heute Frühstück vor einer Bäckerei mit Lachsbaguette und Butterbrezel, um uns die wegen COVID in Bayern vorgeschriebenen Plastikhandschuhe beim Hotelbuffet zu ersparen.
Nach Passau fahren wir auf der rechten Seite der Donau durch das bewaldete tiefe Donautal. In Engelhartszell haben wir dann mit der Fähre auf die linke Seite gewechselt, weil ab da diese Seite schöner zu fahren ist, und weitaus weniger Verkehr ist.

Bei der Schlögener Schlinge haben wir dann die Längsfähre bis nach dem „S“ benutzt, etwa 4 km, gegenüber von Inzell. Von da an weiter auf der linken Seite bis Untermühl, dort haben wir wieder die Fähre auf die rechte Seite genommen, durch diese Wechsel kann man jeweils die schönere Seite fahren.

Beim Kraftwerk Aschach gibt es ein Informationszentrum, das sehr detaillierte Informationen über den Bau und die Technik zeigt.
Das Kraftwerk hat im Vergleich zu den anderen Donaukraftwerken eine hohe Fallhöhe von über 13m. Dadurch wird eine maximale Leistung von 230 MW erreicht. Das zusätzliche Wasser des Inn und die höhere Fallhöhe erbringt ein vielfaches der Leistung der Kraftwerke auf der deutschen Seite. Die Kraftwerke oberhalb von Ulm haben sogar nur 2 – 10 MW.
Beim Kraftwerk Ottensheim haben wir über die Staumauer wieder auf die linke Seite gewechselt, und sind bis zur Stadtmitte Linz dort geblieben. Über die Stadtbrücke sind wir dann über den Hauptplatz zum Austria Trend Hotel im Schillerpark gefahren.
Nach dem Abendessen haben wir uns das EM Achtelfinalspiel Italien : Österreich beim Josef in der Landstrasse angesehen. Da war eine Superstimmung im Lokal mit einer außergewöhnlich gut spielenden österreichischen Mannschaft, ein Sieg war durchaus in Reichweite 😉, letzten Endes hat aber Österreich 2:1 verloren.
12. Tag, Sonntag 27.7. 2021, Von Linz bis Grein
67km, 864km seit der Bregquelle
Schönes Wetter, Vormittag noch unter 25C, Nachmittags ziemlich heiß bis 30C
Heute sind wir durchwegs auf der Nordseite gefahren. Weil es Sonntag war, gab es aus Linz heraus und auch schon zurück starken Radfahrverkehr aller Arten, schnelle Rennräder, die Weitwanderräder wie wir und viele langsame Räder ohne e-Bike Unterstützung mit älteren Fahrern. Von durchtrainierten Sportlern bis zu tiefhängenden nackten Bäuchen wird alles geboten. Einer war an einer engen Stelle auf einem Segway schnell unterwegs, und hat dabei ins Handy getippt. So gefährliche Situationen haben wir bisher noch nicht erlebt.
Nach Langenstein sind wir zur KZ Gedenkstätte Mauthausen hinaufgefahren. Die Besichtigungsrunde konnten wir mit einem Audio-Führer am Smartphone machen. Was wir dort gesehen und gehört haben, lässt sich in diesem Text nicht adäquat wiedergeben. Es stimmt sehr bedenklich was Menschen alles anstellen können, weil sie bedingungslos an eine Ideologie glauben. Es fehlten uns auch die Worte untereinander um das zu verarbeiten. Auf jeden Fall hat es uns gedanklich für den Rest des Tages beschäftigt.

Von Mauthausen weg bis Grein verläuft die Grenze zwischen Nieder- und Oberösterreich über 30 km mitten in der Donau. Der oberösterreichische Nordteil heisst hier Machland. Dieses Gebiet wurde in den letzten Jahrzehnten mehrfach überschwemmt. Daher wurde ab 2003 sehr viel in den Hochwasserschutz investiert, und die Deiche und Betonwälle für ein 100-jähriges Hochwasser ausgebaut. Zusätzlich musste man über 200 Häuser und Bauernhöfe in das geschützte Gebiet umsiedeln, was der Staat mit 115 Mio. € gefördert hat.
In Grein haben wir im Gasthof zur Traube übernachtet, einem sehr netten Familienhotel mit schönem Sitzgarten.
13. Tag, Montag 28.6. 2021, Von Grein nach Krems
89km, 953km seit der Bregquelle
Sehr heiß bis 34C, heiteres Wetter
Von Grein gings gleich mit der Fähre auf die Südseite, auf der wir bis Krems geblieben sind. Es gibt da bis Ybbs zwar keinen eigenen Radweg, aber die Landesstrasse ist sehr wenig befahren und ist sehr schön und teilweise schattig.
Gleich nach Grein kommt man an der malerischen Insel Wörth mit der Burg Werfenstein vorbei.
An dieser Stelle bei Struden wird die Donau sehr eng. Früher war das neben dem Eisernen Tor die gefürchtetste Stelle für die Schiffahrt an der Donau, weil die hohe Strömungsgeschwindigkeit und die Granitfelsen unter Wasser heftige Strudel verursacht hatten. Daher auch der Name Strudengau. Erst im 19. Jahrhundert konnte man das mittels Sprengungen etwas entschärfen.
Heute wirkt die Aufstauung des Kraftwerkes Ybbs/Persenbeug bis zu dieser Stelle zurück, und entschärft damit die Situation erheblich.
Zwischen Ybbs und Pöchlarn in Krummnussbaum sieht man gegenüber auf einer Anhöhe im Norden der Donau sehr markant die Wallfahrtskirche Maria Taferl.
Ab Ybbs fährt man den Uferweg. Seit Linz kommt man immer wieder an Marinas hauptsächlich für Motorboote vorbei. Bei Pöchlarn kommt man vor der Erlaufbrücke an einem sehr netten Marinalokal vorbei.
Bei der Einfahrt in die Innenstadt von Melk überquert man eine Brücke über den Fluss Melk, die bei Hochwasser angehoben werden kann. Diese Brücke wollten ein paar übriggebliebene Wehrmachtsangehörige Anfang Mai 1945 noch sprengen. Dank dem beherzten Eingreifen von Einheimischen wurde dies verhindert.

Das Stift Melk ist ob seines Prunkes und der Größe sehr beeindruckend. Die Benedikterabtei wurde erst im frühen 18. Jahrhundert etwa im gleichen Zeitraum wie das Schloss Schönbrunn errichtet, jedoch war der Ort schon bei den Babenbergern ab dem 11. Jahrhundert ein Machtzentrum. Die wunderschöne Architektur und der Prunk des Stifts regt andererseits darüber zum Nachdenken an, wie damals Macht zur Selbstüberhöhung der Herrscher missbraucht wurde. Aber das war zu dieser Zeit nach Ludwig XIV. und noch kein Thema.
Nach Melk sind wir am rechten Ufer der Donau durch die Wachau gefahren. Entlang dem linken Ufer sind zwar alle prominenten Orte der Wachau aufgefädelt, aber wir wollten einmal das Südufer besser kennenlernen.
Aus dieser Perspektive von Oberarnsdorf aus sieht man dass in Spitz aber auch weiter unten in Weissenkirchen sehr viele Weingärten in den höheren Steillagen aufgegeben wurden, wohl weil man mit den modernen Bearbeitungsgeräten dort nicht fahren kann, und die reine Handarbeit inzwischen zu teuer geworden ist.
Erst später habe ich erfahren, dass mein Neffe mit seiner Familie inzwischen in Oberarnsdorf wohnt, da sind wir leider unwissend vorbei gefahren.
Gegenüber von Dürnstein sind wir durch die Wein- und Obstgärten von Rossatz gefahren, wo wir an einem Verkaufsstand ohne Verkäufer einen großen Becher Kirschen erstanden und gleich verspeist haben.
In Mautern sind wir dann über die stark renovierungsbedürftige Donaubrücke nach Krems gefahren. Dort hatten wir einer bemerkenswerten Frühstückspension gebucht, weil diese in einem sehr alten Bau mit meterdicken Außenmauern und einem abgeschlossenen Innenhof mit Arkadengängen in allen Stockwerken integriert ist. Während wir draußen schwitzend bei etwa 35°C angekommen sind, konnten wir durch das große Eingangstor in den Innenhof mit etwa 22°C schreiten. Die Zimmer waren modern adaptiert, es waren aber durchwegs sehr alte Möbel mit beruhigenderweise modernen Matratzen vorhanden.
Am Abend haben wir dann im Restaurant Wellenspiel direkt an der Donau einen vergnüglichen Abend mit Freunden verbracht.
14. Tag, Dienstag 29.6. 2021, Von Krems nach Wien
87km, 1040km seit der Bregquelle
Wieder sehr heiß, heiteres Wetter
Wieder ein schöner Tag, jedoch mit Hitzewarnung von 35°C am Nachmittag. Daher wollten wir den größten Teil der Strecke bis 13 Uhr hinter uns gebracht haben.
Eigentlich wollten wir bis zum Kraftwerk Altenwörth auf der Nordseite bleiben. Bei der Schnellstrassenbrücke der S33 war aber dieser Radweg gesperrt, weil bei Altenwörth noch ein mehrere km langer Fischaufstiegshilfe noch in Bau war. Daher sind wir auf der Radspur der Brücke auf die Südseite gefahren. Diese Brücke ist sehr hoch über dem Wasser, und man kommt vom Radweg über eine spiralförmigen Aufstieg auf die Radspur in etwa 20 m Höhe über dem Wasser, die unterhalb der Autostraße auf die Brückenpfeiler befestigt ist.
Von da fährt man auf dem Deich direkt neben der Donau bis zum Kraftwerk Altenwörth mit dem Zufluss der Traisen unterhalb der Staumauer. Von da geht’s durch Wald und Wiese und einige Dörfer bis nach Tulln, und dann wieder auf dem Deich bis zum Kraftwerk Greifenstein. Dort wurde ein alter Seitenarm der Donau als Lagune mit großer Marina angelegt, wo wir im Restaurant eine „Kleinigkeit“ gegessen haben. Die Schnitzelsemmel von Christine war witzig anzusehen: Ein sehr großes Schnitzel auf dem Teller, in der Mitte der Oberteil der Semmel als kleine Insel platziert…
Auf dem weiteren Weg nach Wien gibt’s noch einige Bademöglichkeiten, unter anderem auch an einem kleinen Silbersee.
In Wien sind wir von der Donau abzweigend dem Donaukanal entlang bis zur Schwedenbrücke gefahren, und von dort durch die Rotenturmgasse zum Stephansplatz als Ziel der Reise.

Nach einer Dusche in der Wohnung meines Bruders Hansi haben wir dann die Reise am Würstelstand hinter der Oper bei der Albertina abgeschlossen.
Rückblick
Diese Reise entlang des für Europa so bedeutsamen Flusses regt viele Gedanken zur Entwicklung von Mitteuropa an. Und natürlich zu dessen viel längeren geologischen Geschichte.
Man kommt mit vielen Radfahrern und Einheimischen ins Gespräch, und bekommt damit sehr viele Eindrücke.
Sportlich ist es auch eine Wohltat, denn auch mit der e-Bike Unterstützung kommt man ins Schwitzen. Man fährt eben dann weitere Strecken. Das Wohlbefinden steigert sich von Tag zu Tag und am Ende fühlt man sich bestens erholt.
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