Mit dem Motorrad nach Irland 2023

1. Tag, Mittwoch 31.5.2023

542km, Abfahrt Pörtschach um 5 Uhr über Großglockner nach Ulm

Wolkenlos, am Glockner 2 °C, unten bis 25 °C

Herrliche Fahrt über die Glocknerstrasse um 7 Uhr früh, kein sonstiger Verkehr! Ein paar Radlergruppen kamen von Salzburg herauf entgegen. Frisches Gebäck hatte ich in Kaprun beim Gugglberger geholt, und hatte dann das Frühstück mit Albert genossen.

Dann gings über Pass Thurn und Ursprungpass nach Bayern. Am Schliersee in einem Biergarten direkt am Wasser zum Mittagessen Weißwurst mit reschem Brezel verzehrt.

Dann die Fahrt südlich am Starnberger und Ammersee nach Ulm. Abendessen und Übernachtung bei Hans-Jörg. Es gab Spargel mit Schinken und Flädle. Hans-Jörg machte die Flädle, also Palatschinken ohne Einlage, Harald die Sauce Hollandaise, und ich trank den Aperitiv und gab wichtige Kommentare. Die bereits geschälten Spargel kamen in den Dampfgarer. Zum Essen gabs Weißwein schwäbischer Art.

Netter Abend!

2. Tag, Donnerstag, 1.6.2023

289 km, Fahrt von Ulm nach Colmar im Elsass über den Schwarzwald

Wolkenlos bis heiter, 14-27 °C

Am Morgen fuhren wir mit Hans-Jörg zu einem Ulmer Bäcker, einem der wenig Übriggebliebenen die noch Brezel aus frisch gemachten Teiglingen backen, damit wurde das Frühstück zum Höhepunkt!

Bei wunderbarem Wetter war die Fahrt durch den Schwarzwald eine Augenweide bei noch mäßigen Temperaturen. Auch der Besuch an der Donauquelle (Quellfluss Breg) oberhalb von Furtwangen durfte nicht fehlen. Durch kleine Orte im Rheintal kam ich dann nach Colmar im Elsass zum Hotel Turenne. Dort in der Nähe war auch die Altstadt, wo ich im Chez Hansi in der Altstadt einen elsässischen Sauerkrautteller mit einem einheimischen Pinot Gris genoss.

3. Tag, Freitag 2.6.2023

370 km, von Colmar durch die Vogesen nach Reims

Heiteres Wetter bei angenehmen Temperaturen

Durch die Hügel der Vogesen fand ich ein Paradies für Motorradfahrten. Dort entdeckte ich ein Museum an einer Stellung aus dem 1. Weltkrieg. Dieses war sehr versöhnlich für beide Seiten gestaltet. Die Front war im steilen Gelände über 4 Jahre dauernd umkämpft gewesen, mit vielen Opfern und ohne Ergebnis für beide Seiten, in einem ohnehin sinnlosen Krieg.

Nach den Bergen ging’s über flache Hügel in weit gestreckten Kurven, südlich an Nancy vorbei nach Reims. Dort übernachtete ich leider außerhalb der Stadt in einem Hotel inmitten eines Labyrinths von Kliniken.

4. Tag, Samstag 3.6.2023

228 km, von Reims über Flughafen CDG nach Beauvais

Wolkenlos, 16-26 °C

Zuerst besichtigte ich die Kathedrale im Stadtzentrum von Reims. Diese hatte eine sehr beeindruckende Architektur, ausgestattet mit einer wunderschönen Rosette mit dunkelblauen Gläsern.

Alle französischen Könige bis Ludwig XVI. waren hier gekrönt worden. Angeblich weil das Salbungsöl beim ersten König Chlodwig direkt vom Himmel kam. Der Merowinger Chlodwig ist hier etwa um 500 getauft und gekrönt worden, nachdem er 486 den letzten römischen Heerführer in Gallien besiegt hatte und so als Gründer des Frankenreiches galt. Auch Ludwig XVIII. hatte sich mit Rücksicht bei seiner Einsetzung 1814 auf seinen konstitutionellen Senat nicht mehr in Reims krönen lassen.

Dann ‚schwebte‘ ich durch die herrliche Champagne mit weiten Hügeln, Weinhängen und netten Dörfern.

Bei einem Weingut H. Depaux konnte ich einen Champagner für den Abendempfang mit Christine kaufen. Eine recht aufwändige Zufahrt gab es zum Terminal 1 am CDG Flughafen, ich hatte da im Parkhaus geparkt, netterweise mit eigener Zufahrt und moderaten Preisen für Motorräder.

Christine kam pünktlich mit Helm und Tankrucksack an. Danach mussten wir uns durch viele Ortsdurchfahrten und Kreisverkehre nach Beauvais quälen. Dort war wegen eines Abendlichen Halbmarathons sehr viel los. Vor dem Restaurant spielte eine Brass Band für die Läufer.

Unser Hotel Résidence Les Tisserands hatte sich als Seniorenresidenz herausgestellt, die freie Zimmer auch an junge Tagesgäste wie uns vermietete.

5. Tag, Sonntag 4.6.2023

241 km, von Beauvais über Rouen nach Martragny bei Bayeux

15-25 °C, heiter bis wolkenlos, Ostwind

Zum Frühstück gab es frische Croissants aus der Boulangerie Maison Beauvaisienne, mit einem Kaffee in dem danebenliegenden Restaurant Angèle, das man laut Speisekarte und engagiertem Koch unbedingt empfehlen kann.

Relativ schnell gelangten wir nach Rouen und parkten nahe der Kathedrale. Diese war von der Größe her sehr beeindruckend, weil die Apsis nach dem Hauptaltar beinahe noch einmal die Länge des Hauptschiffes hatte. Vor dem Portal waren hölzerne Liegestühle festgemacht, von denen man die Vorderfront in Ruhe betrachten kann, ohne sich den Hals zu verrenken.

Die Orgel in der Kathedrale dürfte wohl eine der weltweit größten sein. Mit dem direkt anschließenden Bischofssitz hatte das Gebäude in einem Block wohl mehr als 300m Länge. Dahinter befand sich die Altstadt mit windschiefen Fachwerkhäusern und netten Lokalen.

Die westliche Ausfahrt von Rouen war über 15 km von den Hafenanlagen an der Seine und riesigen Industrieanlagen geprägt.

Bald waren wir an den ersten Strand an der nördlichen Normandie gelangt, wo es wegen des wolkenlosen Wetters einen regen Betrieb gab. Direkt an den Stränden reihte sich eine Villa an die andere, im Stil des frühen 20. Jahrhunderts, oder auch noch älter.

Danach gelangten wir in unser Hotel, ein Chateau aus dem 18. Jahrhundert, noch mit den Parkettböden von damals ausgestattet. Im Nebengebäude war die Rezeption und das Restaurant. Das Ganze war von einer großzügigen Parkanlage umgeben, die nun teilweise als Campingplatz Verwendung fand. In der Lounge des Hotels befand sich in der Bibliothek die alte Gesamtausgabe von Voltaire aus dem 18. Jahrhundert.

6. Tag, Montag 5.6. 2023

174 km, von Bayeux nach Cherbourg

14-19 °C, wolkig, starker NO Wind

Vom Hotel war es nur eine kurze Fahrt in das Zentrum von Bayeux. Dort besuchten wir das Musée de la Tapisserie, wo auf einem 70 m langen Wandteppich die Vorgeschichte der Eroberung Englands 1066 durch Wilhelm in gestickten Szenen dargestellt war. Der damalige Bischof von Bayeux, Odo, war der Auftraggeber für dieses Kunstwerk, er war ja auch der Halbbruder von Wilhelm gewesen. Der Wandteppich war schon 950 Jahre alt, und war sehr gut erhalten.

Danach fuhren wir nach Saint-Laurent-sur-Mer, wo sich seit dem D-Day der Omaha Beach befand. Eine amerikanische Einheit hatte dort am 6.6.1944 den Strand mit sehr hohen Verlusten erobert. Obwohl schon oft verfilmt und auch in Dokumentationen oft gezeigt, ist es trotzdem ergreifend, den Ort persönlich zu sehen. Alleine hier waren während der ersten Stunden des morgendlichen Angriffs beinahe 4000 Amerikaner gefallen.

Ohne den Angriff am D-Day und den danach erfolgten Vormarsch auf Deutschland durch die westlichen Mächte wären wir wohl alle am gesamten Kontinent unter dem stalinistischen System verarmt aufgewachsen.

Danach fuhren wir ausnahmsweise auf der Schnellstraße nach Cherbourg, da es schon spät war. Unsere Unterkunft in Cherbourg, das Maison Duchevreuil war schwierig zu finden, weil die Zufahrt in Google Maps falsch hinterlegt war. Die richtige Zufahrt führt von der Rue du Tôt Neuf unter einem turmartigen Torbogen hindurch, das wurde von der Google Map KI wohl falsch als geschlossenes Gebäude interpretiert.

Die Pension war Teil einer großen alten Gebäudeanlage mit Steinmauern. Die Unterkunft war auf Erdgeschoss und Obergeschoss verteilt, und entsprach nicht ganz dem Standard den man sich wünschte, aber mit einer zauberhaften Gastgeberin und einem hervorragendem netten Frühstück zusammen mit anderen ausschließlich französischen Gästen an einem großen Tisch.

7. Tag, Dienstag 6.6.2023

4 km, vom Hotel zur Fähre

11-16 °C, bewölkt, starker NO Wind

Nach dem Frühstück fuhren wir die paar km zum Museum La Cité de la Mer, wo auch ein stillgelegtes Atom U-Boot zu besichtigen war. Dieses war technisch sehr interessant, auch das Leben der Mannschaft wurde dargestellt. Mit 16 atomar bestückten Raketen hatte es einen schrecklichen Zweck gehabt, aber wie in der Audiomoderation erklärt, wurde es nicht für den Einsatz sondern für die Abschreckung gebaut, was realpolitisch offensichtlich auch funktioniert hatte.

Der auf kleinstem Raum untergebrachte Atomreaktor mit etwa 100 MW lieferte den Dampf für die Turbine, die dann mit 60-facher Untersetzung die Schiffsschraube antrieb, und direkt auch den Stromgenerator für das Bordnetz und die Hydraulikpumpen. Die ganze Verrohrung und alle Konstruktionen mussten flexibel an der Außenhülle befestigt werden, weil das Boot mit zunehmender Tiefe gestaucht worden war.

Mit Ehrfurcht vor der technischen Leistung und mit gemischten Gefühlen wegen des Zweckes des Bootes gingen wir wieder von Bord.

Das Einchecken für die Fähre war problemlos, wir hatten eine nette „Commodore“ Kabine gebucht, mit Zutritt zu einer speziellen Lounge mit freiem Essen und Getränken, und mit Ausblick frei nach vorne vom Tisch aus.

8. Tag, Mittwoch 7.6.2023

214 km, von Rosslare nach Cork/Monkstown

14-22 °C, schönes Wetter

Die Gewöhnung an den Linksverkehr ging schnell, nur auf kleinen Straßen gab es manchmal Rückfälle.

Zuerst fuhren wir zum Leuchtturm Hook Head, der die Einfahrt zum Hafen von Waterford markiert. Dieser Turm war ein sehr massives Gebäude und wohl das erste Leuchtfeuer in Irland und Großbritannien aus dem 12. Jahrhundert.

Danach ging’s über Tramore an der Küste eine schöne Panorama Straße entlang. Dort machten wir bei einem in den 1870er Jahren stillgelegtem Kupferbergwerk halt. Das Erz wurde mit Dampfwinden aus 200m Tiefe gehoben, also war der Abbau unter dem Meeresspiegel gewesen. Daher hatte man auch Wasserpumpen installiert, die über lange Gestänge von der Dampfmaschine oben an der Erdoberfläche betrieben worden war.

Bald nahmen wir die Schnellstraße nach Cork, und erreichten unser Hotel und Pub „The Bosun“ in Monkstown etwas schneller.

9. Tag, Donnerstag 8.6.2023

211 km, von Cork über Mizen Head nach Bantry

15-22 °C, anfangs schön, nachmittags leichtes Nieseln, mit Ostwind 6 Bft am Mizen Head

Zuerst wollten wir das Stadtzentrum von Cork nicht auslassen, und sind die paar km Umweg hingefahren. Das Parken im Zentrum war auch mit dem Motorrad recht schwierig.

Wir genossen einen Kaffee nahe dem English Market und machten einen kleinen Spaziergang, so hatten wir Cork nur angestreift. Dann fuhren wir nach Kinsale, einem netten Yachthafen und Ausgangspunkt einer bis zum Mizen Head wunderbaren Strecke oberhalb der Küste.

Der Mizen Head als südwestlichster Punkt Irlands ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Der berühmte Fastnet Leuchtturm befindet sich etwas südlich davor  auf einer kleinen Felseninsel.

In der Vergangenheit waren mehrere Schiffe aus Amerika kommend im Sturm an den Felsen der Küste zerschellt. Über den Atlantik hatte sich oft der Navigationsfehler mit Besteckversatz von mehreren Seemeilen aufgebaut, weil sich eine absolute Position bei anhaltend schlechtem Wetter nicht feststellen ließ, und der Chronometer für die Längengradbestimmung natürlich auch zunehmend ungenau geworden war.

Daher hatte man 1853 auf dem Fastnet Felsen einen Leuchtturm aus Gußeisenteilen gebaut, der aber dem stürmischen Wetter und dem Salzwasser nur etwa 25 Jahre standgehalten hatte.

Von 1897 bis 1904 hatte man daher eine sich nach oben konisch verjüngende  Konstruktion aus tonnenschweren Granitblöcken aus Cornwall gebaut, wobei von denen jeder einzelne passgerecht zugeschnitten worden war, mit Fugen und Naben, die sich ineinander verhakten. Da man mit dem Schiffskran nur bei dem an diesem Ort selten ruhigem Wetter arbeiten konnte, hatte es eben 7 Jahre für den Aufbau gedauert.

Heute ist der Fastnet als Namensgeber und wichtige Bahnmarke für eine der weltweit bekanntesten Offshore-Segelregatten bekannt, die von Cowes in England um den Fastnet herum zurück nach Plymouth führt, insgesamt 605 Seemeilen. 1979 kam es wegen eines unerwartet starken Sturms zu einem Desaster, in dem 19 Teilnehmer der Regatta zu Tode kamen.

Am Mizen Head befand sich bei unserem Besuch noch eine Seefunkstation und ein breit angelegtes Museum, das sich mit der historischen Navigation, der örtlichen Meteorologie und Geologie, und dem Alltag der Wärter im Leuchtturm und der Navigationsstation befasste. Zur ehemaligen Funkstation mit akustischem Nebelsignalgeber kam man über eine alte Betonbogenbrücke über einer tiefen Felsenschlucht, in der die heftige Brandung wütete. Als wir dort waren, blies der SO-Wind mit Bft 6-7. Ein paar Segelyachten konnten wir mit dem Fernglas beobachten, wie sie vom Fastnet kommend mit raumem Wind an der Westküste nach Norden fuhren, offensichtlich als Teil einer Regatta.

Übernachtet hatten wir in einem netten B&B innerhalb des Golfclubs von Bantry, hervorragend gegessen hatten wir auf Empfehlung der Zimmerwirtin im Restaurant Snug in Bantry.

10. Tag, Freitag 9.6.2023

160 km, von Bantry nach Killorglin über den Ring of Kerry

15-23 °C, leichtes Nieseln bis Sonnenschein bei leichter Bewölkung

In der Nacht hatte es geregnet, das Nieseln hielt bis 9 Uhr an, ab dann hatte sich das Wetter zusehends verbessert. Von Bantry fuhren wir über die Shehy Mountains nach Kenmare. Dabei hat uns meine Routenplanung auch über eine unerwartet sehr enge, kurvige und steile Straße geführt, die wir teilweise nur im 1. Gang fahren konnten. Nach etwa 10 km kamen wir aber wieder auf die sehr schöne Passstraße mit herrlichem Ausblick.

Auch Kenmare ist ein sehr netter kleiner Ort, mit Pubs und dieser französischen Boulangerie Maison Gourmet, wo wir einen Kaffee mit Mandelcroissant genossen hatten.

Von da ging’s über den Ring of Kerry rund um die Halbinsel Iveragh. Dieser Ring wurde über eine landschaftlich wunderschöne Strecke geführt, von der aus man meistens Ausblick auf das Meer hatte. Auch das Motorradfahren über die weiten Kurven machte Spaß, die meiste Strecke konnte ich im 4. und 5. Gang fahren.

In der auf der Südseite gelegenen Bucht Caroll‘s Cove gab es einen schönen Sandstrand mit türkisem Wasser. Mehrere Golf Clubs befanden sich entlang der Strecke.

Am Abend übernachteten wir in Killorglin im Bianconi Hotel, in dem sich auch ein sehr gutes Restaurant befindet.

11. Tag, Samstag 10.6.2023

202 km, von Killorglin nach Limerick über den Connor Pass

14-25 °C, am Morgen Regen, nach 10 Uhr haben sich die Regenwolken verzogen, dann sonnig und wolkenverhangen

Das Motorrad mussten wir vor der Abfahrt trockenwischen, und konnten damit auch die Insekten entfernen, die sich durch Frankreich an der Windschutzscheibe und am Scheinwerfer angesammelt hatten. In Irland sind kaum Insekten in der Luft, und wegen der geringeren Fahrgeschwindigkeit auf den kleineren Straßen prallen wohl weniger auf.

Die Fahrt nach Dingle verlief über schöne Strecken mit herrlichen Aussichten auf die Bucht.

In der Kleinstadt Dingle machten wir einen Rundgang. Der Ort ist sehr touristisch mit vielen Pubs und anderen netten Lokalen. Seafood wird natürlich groß geschrieben, es liegen auch einige Fischereischiffe im Hafen.

Von da fuhren wir über den Connor Pass auf die Nordseite der Halbinsel. Auf dem Pass in 424m Seehöhe gibt es einen großen Parkplatz mit Aussicht auf beide Seiten. Bäume gibt es in dieser geringen Höhe keine mehr, und es sieht so aus wie auf 2000m bei uns zu Hause. Die Abfahrt nach Norden ist teilweise so eng und kurvig, dass nur in eine Richtung gefahren werden kann.

In Limerick waren wir im Hotel George im Stadtzentrum untergebracht, eigentlich ein gehobenes Hotel, wir hatten jedoch ein sehr kleines Zimmer, das vor allem sehr laut war. In der Nacht hatten bis 4 Uhr früh Leute auf der Straße gegrölt und gekreischt und wir waren erst sehr spät eingeschlafen.

Die Stadt hatten wir anders als andere irische Städte empfunden, weitaus weniger Pubs, und auch weniger lokales Bier.

Die Limericks waren mir früher ein Begriff gewesen als die Stadt selbst, die Stadt musste mit diesen 5-zeiligen Versen für einen besonderen Humor herhalten. Die ersten 2 Zeilen beschreiben immer eine Situation und es muss sich reimen, die 3. und 4. Zeile sind kürzer, reimen sich auch, und sagen irgendwie absurd aus was passiert. Die 5. Zeile ist länger, reimt sich nicht und formt den lustigen Kontrapunkt zu dem vorher Gesagten.

12. Tag, Sonntag 11.6.2023

142 km, von Limerick nach Galway

16-27 °C, schönes Wetter, nur leicht bewölkt

Von Limerick fuhren wir ohne Frühstück den Shannon flussaufwärts zu den Seen. In Killaloe fanden wir das Derg House Café vor der Brücke über den Shannon, in dem wir mit frisch gebackenen Croissants und reschem Baguette gut frühstückten. Die steinerne Brücke ist schon sehr alt, und der Verkehr konnte ampelgeregelt jeweils nur in einer Richtung fahren.

Gleich nach dem Ort begann der Lough Derg, ein großer See etwa 40 km lang, der vom Shannon durchflossen wird. Unsere Fahrt führte uns am Ostufer entlang, mit herrlicher Aussicht bei bestem Wetter.

In Galway waren wir im recht guten Hotel Nox angekommen. Das Hotel war etwa 2-3 km von der Innenstadt entfernt. Hier konnte ich wieder den bei Motorradfahrten unter 20 °C wichtigen Nierenschutz in Empfang nehmen, den mir Hans-Jörg aus Ulm nachgesendet hatte. Die Wäsche für die letzten 12 Tage hatten wir zur Reinigung auch abgegeben, wir wollten ja 2 Nächte bleiben.

13. Tag, Montag 12.6.2023

5 km, nur eine Fahrt in das Galway Stadtzentrum und zurück

15-24 °C, heiter bis wolkig

Eigentlich wollten wir eine Bootsfahrt in der Bucht vor Galway machen, hatten jedoch das in Google Maps verzeichnete Boat Tours Office im Hafen nicht gefunden, und keiner dort wusste davon. Dann wollten wir stattdessen das City Museum besuchen, das jedoch ausgerechnet am Montag geschlossen war. Also blieb nur ein Stadtbummel und ein verschlafener Nachmittag über. Eine Pause ist aber manchmal auch nicht schlecht …

Am späten Nachmittag fuhren wir mit dem Bus wieder in die Stadt und hatten nach einem Aperitivbier in einem Seafood Lokal gespeist. Von dort aus hatten wir ein Pub mit Live Musik besucht und uns noch etwas irischen Whiskey gegönnt, und danach mit dem Taxi zum Hotel zurück gefahren.

14. Tag, Dienstag 13.6.2023

142 km, von Galway über Clifden und Connemara Nationalpark nach Castlebar

15-24 °C, morgens bedeckt, Nachmittag heiter, je ein Schauer am Vormittag, Nachmittag und abends

Eigentlich war erst für den späteren Nachmittag Regen vorausgesagt worden, aber sehr bald nach der Abfahrt hatte uns ein starker Schauer unvorbereitet überrascht, die Lüftungsschlitze in unserem an sich regendichten Motorradanzug waren noch offen gewesen, die knappe Minute Fahrt bis zum Stop reichte dafür aus, dass etwas Wasser eindringen konnte. Während der Fahrt liess sich das schlecht schließen. In einem netten Café direkt an einem Strand hatten wir den kurzen Schauer dann bei einem Cappuccino abgewartet.

Die Landschaft ist hier etwas wilder, mit mehr Steinen und Felsen, und höher werdenden Bergen. Beim Nationalpark Coonemara Museum machten wir halt. Das Museum zeigt die Eigenheiten der Moorlandschaft, und wie der Mensch damit umgegangen ist. Überbrückungspfosten aus der Eisenzeit sind ausgestellt, man sieht noch die Bearbeitungsspuren. Torf hatte über die Zeiten hinweg für die einzelnen Höfe eine große Rolle gespielt.

Drei verschiedene Rundgänge sind vom Museum aus schön markiert angeboten, wir haben wegen unserer Motorradkluft den kürzesten gewählt. Am Weg gingen wir an Schafs- und Pferdeweiden vorbei.

Bald nach dem Museum hielten wir beim Parkplatz zur Kylemore Abbey. Dies war ein größeres traumhaft an einem See gelegenes Schloss, das vom Industriellen Mitchell Henry aus London um 1870 gebaut worden war. Er hatte das County Coonamara auch im britischen Parlament vertreten.

Es gab ein großes Besucherzentrum, einen aufwendig angelegten Garten, und eine etwas abseits gelegene Kirche. Seit 1922 sind Ordensschwestern vom Benedektinerorden in der Abbey. Das Schloss selbst ist jedoch als Museum aufbereitet. Die Lebensweise und die Familienchronik der Familie und der Angestellten waren in mehreren Räumen mit originalen Einrichtungsgegenständen dargestellt.

Am Abend waren wir in Castlebar in dem B&B Carragghouse eingetroffen, und hatten Abendessen in dem italienischen Restaurant „Al Muretto“ gut gespeist. Die irischen Lokale im Ort waren alle am Montag und Dienstag geschlossen.

15. Tag, Mittwoch 14.6. 2023

170 km, Tagesausflug von Castlebar zum Keel Beach auf Achill Island

17-26 Grad, wolkenlos, bewölkt am Abend

Die Wirtsleute im Carragh House sind sehr nett und hilfreich. Der Mann hatte früher selbst BMW Motorräder, war aber unlängst auf eine leichtere 500er Honda umgestiegen.

Da wir die Adapterstecker im Nox Hotel vergessen hatten, schenkten sie uns kurzerhand welche als Ersatz, wahrscheinlich wird das oft vergessen, und so gab es wohl überall einen Vorrat.

Die Innenhose meines Motorradanzuges, die ich seit dem Großglockner nicht mehr brauchte, hat er für mich vakuumverpackt, damit sie im Seitenkoffer weniger Platz benötigt. Und sie hatten uns sehr gute Tipps für den Tagesausflug gegeben.

Bei herrlichem Wetter fuhren wir nach Westen. Auf der Halbinsel Currane lenkten wir  auf eine kleine Straße im Süden nahe am Meer. An einem Aussichtspunkt blickte man weit über das Meer auf die Insel Clare. Die Tafeln dort erklärten, dass die übriggebliebene spanische Armada, die ja nach der gescheiterten Schlacht 1588 rund um Irland gesegelt war, in dieser Bucht geankert hatte und in einem Sturm ein Schiff verloren hat. Das Wrack hatte man jedoch nie gefunden.

Über eine kurze Brücke erreichten wir die Insel Achill. Dort fuhren wir direkt zum ganz im Westen gelegenen Keem Beach. Das war ein schöner Sandstrand mit klarem türkisblauen Wasser. Vor einem Bad wanderten wir jedoch auf den 200m hohen noch westlicher gelegenen Hügel Moyteoge Head. Dort befand sich auch ein verfallenes Gebäude, das noch im 2. Weltkrieg eine Seefunkstation beherbergte. Damit hatten wir den westlichsten Punkt Europas und unserer Reise erreicht, und auch die größte Distanz von 1901 km Luftlinie nach zu Hause.

Wieder am Strand angekommen, wollten wir an dem warmen Tag und dem herrlichen Strand noch ein Bad nehmen, allerdings hatte Christine ihren Badeanzug im Hotel vergessen. So mussten wir erst um einen Felsen zu einer einsamen Bucht im Osten klettern, um dort dann ungestört baden zu können.

16. Tag, Donnerstag 15.6.2023

194 km, von Castlebar nach Carrick-on-Shannon, über Sligo

16 – 26 °C, schönes Wetter, abends kurzer Schauer

Vormittag hatten wir eine schöne Fahrt nach Norden, westlich am Lough Conn entlang, und über Ballina an der Küstenstraße nach Inishcrone. Dort an der Mole konnte man sehen dass der Tidenhub hier über 3 m hoch ist. Einige Leute haben die 20m breite Slipanlage als Zugang zum Meer zum Schwimmen benutzt.

Von da weiter die Küste entlang bis Strandhill mit großem und schönen Sandstrand, gleich neben dem Golf Club. Die Sonne war hier intensiv, so hatten wir kurzerhand Badekleidung angezogen und hatten eine längere Wattwanderung gemacht. Unsere Montur legten wir einfach über und unter das Motorrad, im Vertrauen darauf dass niemand etwas wegnehmen würde, auch nicht den unversperrten Tankkoffer. Die Wertsachen hatten wir aber vorher in das versperrte Top-Case gegeben, und die Seitenkoffer hatten wir während des Tages immer versperrt gehabt.

Ein kurzer Besuch in der Innenstadt von Sligo war es nicht wirklich wert, und fuhren dann über die Autobahn nach Süden mit dem Ziel Carrick-on-Shannon. Die Autobahnfahrt war mir aber nach 20 km doch zu langweilig geworden, so hatten wir wieder auf die Landstraße gewechselt, immer wieder an kleinen Seen vorbei, über Brücken und der Landschaft rund um den Oberlauf des Shannon.

Kurz vor Carrick hatten wir in der verlassenen Gegend das Hartley House B&B gefunden, eine Villa aus dem 19. Jahrhundert mit der sehr netten Gastgeberin Kate.

Zufällig zur gleichen Zeit kam ein Grazer Ehepaar mit dem Taxi vom Flughafen an, sodass Kate etwas verwirrt darüber war, ob wir nun zusammengehörten oder nicht, weil wir als die einzigen Gäste im Haus alle aus Österreich kamen. Es hat etwas gedauert, bis sie verstand wer zu wem gehört, und dass wir uns vorher nicht kannten.

Sie hat uns dann freundlicherweise mit ihrem Auto in das etwa 2.5 km entfernte Stadtzentrum gebracht, und uns kurz nach 22 Uhr auch wieder dort abgeholt. Wir hatten mit den Grazern zusammen im „The Oarsman“ gegessen, und danach noch im „Cryan‘s Teach Ceoil“ etwas irische Live Musik von einem mit Querflöte und Geige spielenden Duett genossen, natürlich mit irischem Stout.

Die Grazer hatten ab darauffolgenden Samstag ein Hausboot ab Carrick gemietet.

17. Tag, Freitag 16.6. 2023

79 km, von Carrick-on-Shannon nach Athlone

17-21 Grad, bedeckt, am Nachmittag Nieselregen

Kate hat uns ein außergewöhnlich gutes Frühstück zubereitet, poschierte Eier mit Avocado und Toast, aber auch Yoghurt mit frischen Beeren.

Nach der online Buchung einer Schlossführung in Versailles für den folgenden Mittwoch, und entsprechender Hotelbuchung, brachen wir erst um Mittag auf, die eingeplante Tagesstrecke war ja nicht allzu lang.

Nach einer kurzen und stürmischen Obstpause an einem schönen Platz am Westufer des Lough Ree sind wir dann wegen des Regens gleich zur Unterkunft in Athlone aufgebrochen.

Der Lough Ree ist einer der vielen Seen, die vom Shannon gebildet werden. Das Gefälle des Shannon war sehr gering, daher hatten sich sehr viele Seen gebildet, und auch dazwischen war die Fließgeschwindigkeit sehr gering. Daher war der Shannon sehr schön mit einem Hausboot zu befahren, wovon man im Hafen von Carrick sehr viele sehen konnte.

18. Tag, 17.6.2023

144 km, von Athlone nach Dublin

16-21 °c, bewölkt

Nach einer unbeabsichtigten Schleife durch die Stadt fuhren wir die ersten 30 km auf der Autobahn, um dem Vorstadtgewirr von vielen Kreuzungen und Kreisverkehren zu entkommen. Da überholten wir auch einen Traktor mit hoher Anhängerladung, offensichtlich sind die Regeln für Autobahnen hier anders.

Grundsätzlich anders als auf dem Kontinent schauten auch die Überholverbotstafeln aus: Die durchgestrichene Tafel bedeuteten den Anfang des Überholverbots! Allerdings war die Tafel in Farbe, was sie von unserer gewohnten grauen Überholverbots-Ende Tafel doch unterscheidet.

Die Fahrt danach war unspektakulär, nur um das Ziel Dublin zu erreichen. Unser Hotel Marlin in Dublin stellte sich als eines der modernen technisch perfekten und unpersönlichen Häuser heraus, in denen die Betten in den Zimmern die gesamte Raumbreite zum Fenster hin einnimmt.

Nicht sympathisch aber auch nichts zu meckern…

Die Ankunft begleiteten wir gleich mit einem Stout um die Ecke in der netten Swan Bar. Wir waren direkt in der Innenstadt gelandet, wo es in den weitverzweigten Straßen unzählige Pubs, Restaurants und Cafes gab, die alle voll ausgebucht schienen. Die Straßen sind am Abend sehr belebt, und es gab Live Musik in vielen Lokalen.

19. Tag, 18.6.2023

Motorrad Pause, Museumstag in Dublin

17-22 °C, heiter bis wolkig

Spät aufgewacht, nachdem wir in der Nacht davor schlecht geschlafen hatten. Dann gab es ein kleines Frühstück mit Cappucino und Croissant in dem Café Chocolat.

Besuch des Emigration Museums EPIC direkt am River Liffey, der sich dort zur Hafenbucht öffnete. Dort war die neuere Geschichte Irlands ab etwa 1600 rund um die starke Emigration im 19. Jahrhundert multimedial dargestellt.

Ganz in der Nähe lag ein exakt nachgebautes Segelschiff aus dem frühen 19. Jahrhundert am Pier des Flusses Liffey, die „Jeanie Johnston“. Während einer Führung auf dem Schiff konnten wir die schwierigen Verhältnisse bei den Überfahrten nach Amerika hautnah erahnen. Obwohl gerade dieses Schiff bezüglich Hygiene und Versorgung vorbildlich mit den Reisenden umgegangen war. Anders als auf anderen Schiffen, gab es bei diesem keine Tote während der Überfahrten.

Danach ging es in das Whiskey Museum, wo die Geschichte und die Herstellung des irischen Whiskeys humorvoll erklärt wurde. Natürlich genossen wir auch eine Verkostung mehrerer Sorten mit „Whiskey Ansprache“, damit wir nicht nur die Theorie zu hören bekamen.

20. Tag, 19.6.2023

164 km, von Dublin zur Fähre in Rosslare

16-22 °C, heiter bis wolkig, S Wind 3-4

Es dauerte lange bis wir die Vorstädte von Dublin verlassen hatten. Dann fuhren wir jedoch durch schönste Landschaft auf einer Hochebene die R755 und die R763 ab Enniskerry bis Wicklow, danach der Küste entlang mit wunderbaren Stränden, Golfclubs und Privatvillen.

In Wexford hatten wir noch das letzte Stout in Irland genossen, und fuhren dann direkt zur Fähre. Die Überfahrt war auch diesmal ziemlich ruhig. In der Nacht hatte es für ein paar Stunden bei glatter See heftig geregnet.

21. Tag, 20.6.2023

377 km, von der Fähre in Cherbourg bis zum Hotel Auberge de la Garenne, Nähe Versailles

21-27 °C, schönes Wetter

Da wir erst gegen 13 Uhr von der Fähre losfuhren, hatten wir die gesamte Strecke auf der Autobahn gefahren, außer den letzten paar km. Das Hotel hatte sich als gehobenes Restaurant entpuppt, in dem wir hervorragend gegessen hatten. Eigentlich hatten wir es wegen der Nähe zu Versailles ausgewählt, wo direkt im Ort die Hotels alle sehr hochpreisig angeboten waren. Anscheinend hatte sie sich verkalkuliert, denn am letzten Tag vor der Anreise waren die Preise wieder moderat, aber da konnten wir nicht mehr wechseln. Zum Glück, wie wir dann herausfanden.

Als wir um 18:15 Uhr ankamen, war niemand da und wir mussten das Hotel mit einem Schlüsselcode betreten. Das Haus war eigentlich ein Spitzenrestaurant, mit dem B&B Zusatzgeschäft. Nach 19 Uhr ist es jedoch losgegangen, und letzten Endes war das Restaurant ausgebucht. Es hatte eine schöne Terrasse mit Aussicht auf ein wild bewachsenes Tal, die Speisekarte und natürlich das Essen war außergewöhnlich! Wir würden gerne wieder einmal dorthin kommen!

22. Tag, 21.6.2023

69 km, vom Hotel nach Versailles und danach zum Hotel in Roissy in der Nähe des CDG Flughafens

17-31 °C, heiter bis wolkenlos

Die Fahrt nach Versailles war nur kurz, dort hatten wir einen schattigen Platz auf einem bezahlten Parkplatz gefunden. Wir kleideten uns vor Ort um, und hatten die Motorradkluft einfach über die Sitzbank gelegt. Die Wertsachen hatten wir im Topcase eingesperrt.

Wir hatten ja bereits eine Woche vorher eine geführte Tour um 12 Uhr gebucht, Treffpunkt war bei der Reiterstatue von Ludwig XIV. vor dem Schloss.

Die Führung war sehr lebhaft kommentiert, wir hatten Kopfhörer bekommen, damit wir die Vortragende in dem Gewimmel immer gut hören konnten. Die einzelnen Prunksäle waren wirklich beeindruckend. Man konnte sich in das privat-öffentliche Leben der Könige ein bisschen hineindenken. Richtig privat war es wohl nirgends in diesen Gemächern. Sogar das Aufstehen des Königs wurde vom Hofstaat vielzählig begleitet.

Die Ausmaße sind riesig, bis zu 5000 Leute lebten und arbeiteten da. Der Kluft zwischen dem hier gelebten Luxus und der hungernden Bevölkerung war schwer vorstellbar. Das Selbstverständnis der Könige die sich von Gott eingesetzt wähnten, war im 18. Jahrhundert über mehrere Jahrzehnte durch die Philosophen der Aufklärung angekratzt worden, bevor es zur Revolution mit der ihr eigenen Barberei kam.

Im Zimmer von Marie Antoinette hing ein Gemälde ihrer Mutter Maria Theresia und ihres Bruders Kaiser Joseph II, die Führerin hatte jedoch beide Gemälde ignoriert.

Nach der Verhaftung von Ludwig XVI. und seiner Frau Marie Antoinette war das Schloss nicht mehr als Herrscherwohnsitz benutzt worden, keiner der nachfolgenden Herrscher wollte sich mit dem absolutistischen Geist von Versailles beflecken. Nicht einmal der Bruder von Ludwig XVI., der 1814 eingesetzte und konstitutionell regierende König Ludwig XVIII. wagte es hierher zurück, sondern begnügte sich mit dem Tuilerien Palast als Wohnsitz. Von dort musste er nach der Rückkehr Napoleons aus Elba sogar noch einmal flüchten, bis Napoleon in Waterloo endgültig geschlagen worden war.

Trotzdem war ein Saal in Versailles Napoleon Bonaparte gewidmet, mit Gemälden und Büsten, auch von seinen wichtigsten Generälen.

Nach einer kurzen Wanderung durch die Gärten, die Sonne war ziemlich unerbittlich, fuhren wir dann über Stadtautobahnen zu unserem Hotel in Roissy nahe dem Charles-de-Gaulle Flughafen, wo wir 2 Tage bleiben wollten, da wir Paris in Ruhe und ohne Motorrad besuchen wollten. Die Hotels in Paris waren hoffnungslos überteuert, und ich wollte das Motorrad nicht in Paris auf der Straße parken. So hatte sich das Hotel in Roissy als gute Lösung angeboten.

Die Fahrt war 42 km lang, war aber in der Hitze eine Qual, weil der Verkehr beinahe auf der ganzen Länge im Stau stand. So schlängelten wir uns zwischen den Spuren mit 30-50 km/h dahin, was volle Konzentration erforderte und in der Hitze wirklich schweißtreibend war.

Wir hatten in Roissy im „Aiden by Best Western“ für 2 Nächte gebucht.

In Roissy gab es mehrere Hotels die von den Crews der Luftlinien gerne verwendet wurden. Daher hatte sich im kleinen Ort eine entsprechende Gastronomie herangebildet, die wir gerne in Anspruch nahmen. Nach einem Craft Bier im „Le Friendly“ aus einer lokalen Brauerei hatten wir an diesem Abend eine recht gute Pizza im „Pizza Cinq J“ bekommen, damit hatten wir die hohen Ausgaben für das Gourmetmenu vom Vorabend wieder etwas ausgeglichen. Eine komplette AUA Crew war am Nachbartisch zu hören.

23. Tag, 22.6.2023

0 km (Motorrad), mit dem RER Zug vom Flughafen in das Zentrum von Paris und zurück

17-26 °C, vormittag Regen, danach heiter

Der Busbahnhof am CDG „Roissy Pole“ befand sich am Terminal 3. Vom Hotel mussten wir daher zuerst mit der Buslinie 27 dorthin. Mit der RER B Linie fuhren wir dann bis zur Station Notre Dame, um dort in die RER C Linie umzusteigen, mit der wir bis zur Station Champ de Mars Tour Eiffel fuhren.

Dort hatten wir ein spätes Frühstück im Castel Cafe genossen, eine Charcuterie Platte.

Die Stadtwanderung danach führte uns am Eiffelturm vorbei die Seine entlang bis zum Ponte Alexandre III, wo wir auf die andere Seite wechselten, und über den Champs Elyssee zum Place de la Concorde und zu den Jardin des Tuileries gingen.

Für den Louvre hatte wir den Eintritt um 16:30 schon 5 Tage vorher gebucht gehabt. Früher war nichts mehr zu bekommen gewesen. Um 16 Uhr erreichten wir den Eingang, wo wir trotz Terminbuchung 30 Minuten in der Schlange bis zum Eingang brauchten.

Natürlich konnten wir in der kurzen Zeit bis 18:30 nur einen kleinen Teil des Louvre ansehen. Immerhin sahen wir die Mona Lisa, das im Original eigentlich „La Gioconda“ hiess, weil sie vermutlich die Frau des florentinischen Seidenhändlers Giocondo war.

Natürlich sind in diesem Trakt noch viele berühmte Gemälde und Statuen zu sehen, wie die Venus vom Milo und das historisch interessante Gemälde zur Selbstkrönung Napoleon Bonapartes 1804, und es war auch der sehr kurze Besuch ein unvergessliches Erlebnis.

Über den Ponte Neuf gelangten wir wieder zur Station Notre Dame, und mit der RER B wieder zurück zum CDG Flughafen.

Dort sind wir leider an der Endstation Terminal 2 ausgestiegen, anstatt die Station davor am Terminal 1/3, wo sich der Busbahnhof befindet. Das war sehr verwirrend, und wir benötigten lange bis wir den Busbahnhof zurück zum Hotel wieder fanden.

24. Tag, 23.6.2023

565 km, Von Roissy nach Horriwill/Solothurn/Schweiz

17-29 °C, schönes Wetter

Christine hatte am Morgen das Hotelshuttle zum Flughafen genommen, um mir die immer etwas verwirrende Zufahrt zu ersparen. Nach einem Frühstückseinkauf für unterwegs fuhr ich gleich auf die Autobahn Richtung SO, ich wollte den überall dichten Verkehr rund um Paris möglichst schnell hinter mir lassen. Erst nach 50km ging es wieder staufrei weiter. Auf der Maut Autobahn A5 mit wenig Verkehr hatte ich so die ersten 300 km schnell hinter mich gebracht.

Ab etwa Langres hatte ich die restliche Strecke bis Horriwill in der Schweiz wieder eine schöne Fahrt auf Bundesstraßen. Ab der Schweizer Grenze bei Delle fuhr ich dann die wunderschöne Lützelstrasse durch ein verlassenes Tal, und überquerte dabei mehrmals die schweizer/französiche Grenze.

In dem sehr netten Gasthof Sonne konnte ich leider nicht zu Abend essen, weil ich wahrscheinlich wegen des Beef Tartare am Vorabend in Roissy mit Durchfall zu kämpfen hatte.

25. Tag, 24.6.2023

439 km, Von Horriwill/Solothurn über Andermatt nach Meran/Südtirol

16-26 °C, schönes Wetter

Vom Gasthaus Sonne gings quer durch die Schweiz über teils sehr schöne Strecken, aber auch viele Ortsdurchfahrten nach Andermatt. Die Durchfahrt Luzern hat etwas gedauert, aber danach gings durch schöne Landschaften am Zuger See vorbei wieder zum weitverzweigten Vierwaldstättersee. Die allerschönste Landschaft bietet sich hier zwischen Ingenbohl nach Altdorf. Die Straße ist in die vom See steil ansteigende Felswand eingearbeitet, und man sieht über den See auf mehrere 4000er Gletscherberge hinauf.

Andermatt ist schon auf 1450m Seehöhe, und von dort fuhr ich auf den Oberalppass, über den auch eine Eisenbahnstrecke mit Zahnradunterstützung auf den Steilstücken führte. Auf der Passhöhe befand sich auf über 2000m eine Station, und dahinter auch die Rheinquelle.

Von dort ging es Richtung Chur. Kurz vor Chur bog ich nach Süden ab um über den Albulapass in den Engadin zu kommen und über Zernez durch den Schweizer Nationalpark. Von dort hatte ich bei Taufers/Münstertal Südtirol erreicht, und war von dort nach Meran zum Hotel Tannerhof in Schenna gefahren. Dieser Ort lag etwa 300m über Meran, und man hatte von dort einen herrlichen Blick über das ganze Tal.

26. Tag, 25.6.2023

311 km, Von Meran über den Jaufenpass nach Hause

17-28 °C, herrlich schönes Wetter

Den Aufbruch am letzten Reisetag war von der Vorfreude auf die Ankunft zu Hause geprägt, anders als an den Tagen bis dahin, als sich die Gedanken noch auf die bevorstehende Tagesroute fokussierte.

Durch das Passeiertal kam ich zum fahrerisch herausfordernden Jaufenpass. Kurz vor der Passhöhe auf über 2000 m legte ich eine lange Pause ein, und konnte mit dem Fernglas in der wunderbaren Landschaft ein Adlerpaar lange bei der Jagd beobachten.

Die Pause war auch insofern bemerkenswert, weil an dieser Stelle mehrere Radfahrer, Motorradfahrer und Autofahrer stehenblieben, und ich jeweils mit allen ins Gespräch kam. Ein motorradfahrendes Paar aus Oberösterreich war am gleichen Tag wie ich aufgebrochen, allerdings in die Toscana, und war wie ich an diesem Tag auch auf der direkten Fahrt nach Hause. Ein Radfahrer aus dem Passeiertal war die ganze Zeit dabei, und er konnte mir einiges über die Landschaft um uns herum erzählen. So ergaben sich mehrere spaßige Gespräche mit den kürzer bleibenden Gästen.

Nach dem Jaufenpass fuhr ich kurz von Sterzing bis Franzensfeste das Eisacktal entlang, um dann in das Pustertal abzubiegen. Von dort ging es weiter in das schöne Lesachtal, wo oberhalb von Kartitsch an der Wasserscheide zur Gail eine der schönsten Wiesen mit einer unvergleichlichen Vielfalt an Wiesenblumen und Gräsern zu bewundern war. An beiden Seiten dieser Wiese floss jeweils ein kleines Rinnsal in das Tal, auf der Westseite der Gailbach hinunter zur Drau nach Sillian, auf der Ostseite die Gail die erst in Villach in die Drau münden wollte.

‘Gleich nach der Grenze zu Kärnten in Maria Luggau musste ich beim beliebten Paternwirt eine Ankommenspause einlegen, sozusagen als Ankunft in Kärnten. Das fühlte sich schon beinahe wie zu Hause an. Dort spielte eine Blaskapelle, was ich wie in einer Komödie fälschlicherweise wie eine mir geltende Begrüßung empfinden konnte.

Zuhause wurde ich von meiner Familie begrüßt, auf jeden Fall ein schönes Gefühl. Alle waren froh, dass wir die weite Strecke unfallfrei bewältigt hatten.

Zusammenfassung

Insgesamt hatte ich während dieser Reise mit dem Motorrad 5.436 km zurückgelegt, davon 2692 km zu zweit.

Die Fahrt mit der Fähre von Cherbourg nach Rosslare dauerte etwa 15 Stunden, und auch diese hatten wir genossen.

Der Großteil der Fahrtstrecke war wunderschön, mit beeindruckenden Landschaften  und kurvigen Straßen.

Für das Gepäck hatten wir die 2 Seitenkoffer, den Heckkoffer und den Tankrucksack. Damit kann man Wäsche für 14 Tage mitnehmen und alles was man sonst noch benötigte, daher hatten wir in Galway einen Waschtag vorgesehen, das hatte auch bestens geklappt.

Die B&B waren durchwegs sehr nett, wenn auch teilweise mit Abstrichen bezüglich des Komforts. Hotels sind meistens perfekt, aber eben sehr unpersönlich und 60-80% teurer. In Irland lagen die Hotelpreise ohne Frühstück zwischen 180 und 230 € pro Nacht für uns beide.

Das Wetter war für Irland außergewöhnlich schön, wir hatten nur zweimal einen stärkeren Regen erlebt, aber das dauerte jeweils weniger als eine Stunde.

One response to “Mit dem Motorrad nach Irland 2023”

  1. Markus PISTAUER Avatar
    Markus PISTAUER

    Nette Fahrt! Freu mich, dass du das gemacht hast – Lebenstraum? Liebe Grüße, Markus

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